Die Katastrophe “Loveparade Duisburg” fand gleich um die Ecke statt. In Duisburg arbeitet P. Nicht lange her, genau vor dem Rathaus, wo sich jetzt die Reporter aufbauen: einen Demo zu den Kürzungsplänen der Stadt (nicht nur) in der Jugendhilfe. Ganz begeistert war ich von dem (Co)Dicken Falken(?)funktionär, der so beschwingt zu “eine Insel mit drei Bergen” die Bässe hoch drehte, und auf der LKW Bühne hopste. Dann im Regen zur S-Bahn gehetzt.
An der Spitze der Stadtverwaltung Duisburg steht Oberbürgermeister Adolf Sauerland. Auf der Webseite des OBs läuft sein “aktueller” Podcast:“Der ein oder andere tut so, als würde die Welt in Duisburg untergehen. Das ist nicht der Fall. Wir stehen jetzt kurz davor, dass die Tanztage in Duisburg eröffnet werden…
Na offensichtlich gab es da in der Stadtverwaltung schon vor der Loveparade Duisburg einen Stau Um präzise zu sein: seit dem 3. März 2010. Da entstand der “aktuelle Podcast”. By the way: ein Podcast ist das auch nicht, Herr Sauerland, eher eine Videobotschaft
Vor zwei Jahren war E. in Dortmund bei der Loveparade mitten drin und alles andere als nüchtern. Ist aber gut nach Hause gekommen. Hat sich raus gequatscht, als die Polizei sie in der Psychiatrie ablieferte. Seit einiger Zeit fallen sie mir regelmässiger auf, die jungen Damen auf den Bahnsteigen, sich vor dem Sturz in Freizeitvergnügen, mit grell bunten und wahrscheinlich zu süssen Likören einen Spiegel an trinkend.
“Nein, die Polizei hat keine Kameras vor Ort gehabt”, betont der stellvertretende Polizeipräsident von Duisburg von Schmeling, heute Mittag auf der Pressekonferenz zur Loveparade im Duisburger Rathaus. Die habe ich mir von Anfang bis Ende angetan, hier in der Eifelidylle. Keiner der Beteiligten, stellt in groben Umrissen das allseitig abgesegnete “Sicherheits”konzept vor. Keiner scheint zu wissen, wie viele Menschen vor oder auf dem Gelände der Loveparade Duisburg gewesen sind. Die Angaben schwanken auch jetzt noch zwischen “der belastbarsten Zahl” 105.000, die Schmeling wohl aus den Ticketcomputern der Bahn gewonnen hat, 350.000 für die der Veranstaltungsort ausgelegt gewesen sei, und 1,4 Millionen mit denen Loveparade Geschäftsführer Rainer Schaller vor Beginn der Parade rechnete. Man darf auf das kommende Schweigen der Verantwortlichen angesichts dieser Diskrepanzen gespannt sein.
Derweil erfahren wir aus dem Bussinessportrait der Deutschen Welle: schon die erste Businessidee von Schaller lebte von der ÜberFülle. Und: seine Autosammlung hat deutlich mehr Platz als der Millionär selbst unter der Woche in Berlin. Und die dortigen Bildschirmarbeitsplätze erinnern auch an Legebatterie. Dabei ist der Schaller doch Franke und kein Schwabe…
“Made in Germany” heisst die Film Reihe der Deutschen Welle, der wir dieses Portrait “verdanken”. Mit kritischem Journalismus hat das wohl weniger zu tun.
Im Hintergrund des Films und in der gemeinsamen Wohnung kann man den Pressesprecher des Imperiums McFit / Loveparade Björn Köllen erkennen, der heute auf der Pressekonferenz zur Katastrophe auf der Loveparade Duisburg ebenfalls mit geschwiegen hat. Dabei hätte er viel zu erzählen. Schliesslich ist Björn Köllen seit vielen Jahren dabei, weiss also wie die Strippen zu ziehen sind. So hörte sich das ganze im Jahr 2007 an:
Wummernde Bässe, elektronisch hochfrequentes Gefiepe und halbnackte Menschen – München will sie: die Loveparade. Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) habe in einem persönlichen Schreiben sein Interesse an der Techno-Veranstaltung gezeigt, sagt Björn Köllen, Sprecher der Love-Parade. Darüber verhandelt werde bereits an diesem Freitag. Mitbewerber sind Leipzig sowie die Ruhrgebietsstädte Essen, Dortmund, Bochum, Duisburg und Gelsenkirchen. Der Ruhrpott bewirbt sich gemeinsam. Erhält er den Zuschlag, wird die Parade in den nächsten fünf Jahren jeweils einmal in jeder Stadt starten. Essen würde dann den Anfang machen. Die Veranstalter der Love-Parade hatten die Techno-Parade im Februar für Berlin abgesagt – weil sie keine Unterstützung vom Berliner Senat erhalten hätten. Danach boten sie die Liebesparade insgesamt 60 Städten an. Nicht daran interessiert waren unter anderem Köln und Stuttgart.
Süddeutsche Zeitung
Meine Heimatstadt Köln hatte dann eine andere Katastrophe. Die Metropole Ruhr bekam den Loveparade Zuschlag. Björn Köllen blieb Pressesprecher McFit und Loveparade Duisburg in Personalunion.