Nov 02 2009

Lampedusa macht dicht…

Die Festung Europa wird hermetischer. Letztes Jahr sind über 25.00 Menschen, meist aus Afrika in Lampedusa gelandet. Nun wird die europäische Grenze an die afrikanischen Strände verlegt. Die 4000 Inselbewohner auf Lampedusa sind wieder unter sich. Berichtet der Deutschlandfunk heute morgen.

Mein Blick auf Lampedusa ist geprägt von einer Reportage Navid Kermanis. Hier ist sie als podcast “Das volle Boot“. Gedruckt gibt es sie in der ZEIT.

Unvergessen: das Ende jener Reportage, der O-Ton des französischen Kapitäns der Flüchtlinge rettet, statt Europa vor ihnen abzuriegeln:

Als ich nach Frontex frage, bricht es beinah aus ihm heraus:
– Wenn ich ein Holzboot mit 65 Menschen auf dem offenen Meer sehe, und ein
Sturm zieht herauf, dann ist mir Frontex scheißegal, dann denke ich nicht an
Immigration, an Papiere, an Zollbehörden. Dann rette ich sie, verdammt noch mal.
Für ihn als Kapitän, fährt er fort, um seinem kleinen Ausbruch eine Erklärung
beizugeben, stünde das Seerecht über etwaigen EU-Verordnungen, er dürfte also
gar nicht anders handeln.
– Sieht das jeder Kapitän so?, frage ich. Ihm ist sofort bewusst, dass ich auf
die Berichte über Frontex-Einsätze anspiele, bei denen die Soldaten in die
Schlauchboote stechen oder den Flüchtlingen das Wasser und die Nahrung
nehmen, um sie an der Weiterfahrt zu hindern.
– Ich bin mir sicher, sagte er, dass jedenfalls alle französischen Kapitäne genauso
gehandelt hätten, außerdem hatte ich die Zustimmung meiner Einsatzleitung.
Ich bin mir sicher, dass er genauso gehandelt hätte auch ohne die Zustimmung
seiner Einsatzleitung.

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