Jun 12 2007

Muss es immer erst knallen?

Published by Lothar Evers at 10:37 under Shoah, ...in the News

Die Pläne, das Kuratorium der Zwangsarbeiterstiftung “Erinnerung Verantwortung und Zukunft” fest in deutsche Hand zu überführen, scheinen vom Tisch. Jedenfalls rudert Dieter Wiefelspütz, innenpolitischer Sprecher der SPD, der den Ausschluss der NS-Verfolgten und ihrer Heimatländer zunächst mit getragen hatte zurück.
Berichtet die “Berliner Zeitung“.

It seems that at least the SPD has realized that it was not such idea to exclude the organizations of Nazi victims from the German forced labor foundation: reports today the “Berliner Zeitung“.

Ausserdem in der “TAZ” von heute zum Abschluss der Auszahlungen ein Interview mit Professor Ulrich Herbert:

Und wer darf diesen Erfolg für sich verbuchen? Rot-Grün? Die Öffentlichkeit? Oder war es der Druck der Klagen in den USA gegen deutsche Firmen?
Alles drei in gleichem Maße. In der Öffentlichkeit wurde das Thema schon in den 80ern diskutiert. Die Klagen haben die Firmen unter Druck gesetzt, Rot-Grün hat die Entschädigung durchgesetzt. Übersehen wurde aber oft, dass es bei den Sammelklagen in den USA nur um Juden ging - doch 95 Prozent der Zwangsarbeiter waren keine Juden. Rot-Grün wollte anfangs, mangels historischer Kenntnis, auch nur jüdische Zwangsarbeiter entschädigen. Es war ein Verdienst der viel geschmähten Anwälte, vor allem von Michael Hausfeld, auch nicht jüdische Zwangsarbeiter zu vertreten. Das war der Durchbruch für die Entschädigung osteuropäischer Opfer.

Die Bilanz von Otto Graf Lambsdorff findet sich in der “Welt”:

WELT ONLINE: Hat die heikle Arbeit, die Entschädigung ehemaliger NS-Zwangsarbeiter international auszuhandeln, Ihr Geschichtsverständnis verändert?
Otto Graf Lambsdorff: Mein Geschichtsverständnis hat sich insofern verändert, als ich sehr viel näher an das Schicksal von Menschen herangekommen bin, die unter der nationalsozialistischen Zwangsherrschaft höchst persönlich gelitten haben. Die Fakten waren ja eigentlich nicht neu, wir kennen das aus Büchern, dem Fernsehen, Filmen. Aber mit so vielen früheren Zwangs- und Sklavenarbeitern selbst zu sprechen, macht ihr Schicksal noch einmal viel authentischer. (…)
WELT ONLINE: Dem deutschen Recht ist die Sammelklage bislang – im Gegensatz zu den USA – weitgehend fremd. Sollte die Sammelklage auch in Deutschland stärker akzeptiert werden?
Lambsdorff: Das ist eine interessante Frage, die weit über das Thema Zwangsarbeiter hinausgeht. Meine Meinung: Wenn tausende geschädigte Aktionäre irgendeiner Aktiengesellschaft über das Instrument der Sammelklage Ansprüche durchsetzen können, begrüße ich das durchaus. Es gibt solche Möglichkeiten auch schon im deutschen Recht.

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