Der Crowd-Manager aus dem SPIEGEL beherrscht die Nachrichten zur Loveparade Duisburg Wenn das Outing des Crowd-Managers der Loveparade eine PR Strategie war, dann geht sie gerade auf. Das “Versagen der Polizei”, die einen schlecht ausgerüsteten mit wenig Befugnissen ausgestatteten Beamten dem Crowd-Manager an die Seite stellte, beherrscht zur Zeit die Nachrichtenlage der SPIEGEL Vorabmeldungen.
Die uns interessierenden Fragen stehen im vorigen Beitrag dieses Blogs: “Prinzip Schleuse” .
Zwei Fragen kommen hinzu.
Doch erst mal dank an meinen Sohn. Der hat geahnt, dass es bei Crowd Management nicht, oder jedenfalls nicht nur um eine hippe Berufsbezeichnung vielmehr um ein professionelles Profil geht. Deshalb schiebe ich eine Frage für die Nachfragenden Kolleginnen und natürlich den Crowd Manager nach.:
Richtig fest definiert scheint der Begriff Crowd-Manager und Crowd management nicht zu sein.
Als erstes deutschsprachiges Link auf Google eine Seite von wissenswerk.net.
Ausgebildete Crowd-Manager deutscher Zunge finde ich hauptsächlich für den Bereich der Seefahrt insbesondere auf Kreuzfahrtschiffen:
Das Basic Safety und Crowd Management
Training nach STCW 95Alle Personen die an Bord eines Seeschiffes angestellt sind, müssen dieses Trainig absolviert haben. Das Zeugniss nach STCW 95 ist beim Einsatz an Bord mitzuführen, um es bei Hafen- bzw. Flaggenstaatenkontrollen vorlegen zu können. Zu den Trainingsinhalten gehören im wesentlichen:
- • Überleben in Notfällen auf See
- • Brandschutz und – bekämpfung
- • Erste Hilfe
- • Ersteinweisung in das Sicherheitssystem an Bord
- • Passagiersicherheit
- • Umgang mit Menschenmengen in Notfällen
Ein Buchtitel bei Amazon zeigt Crowd-Manager als spezielle Funktionspersonen neben den normalen Ordnern eines Konzertes.
Und dann ein fast unglaublicher Fund:
Ralf Zimme, Leiter Veranstaltungstechnik der Esprit Arena Düsseldorf zu
Publikumsschutz auf Veranstaltungen
DiesePräsentation t liest sich so ungefähr wie das “How is How”, dessen was man bei der Loveparade in Duisburg nicht geleistet und wohl auch nicht bearbeitet hat:
- systematisches planen und überwachen einer geordneten Bewegung und Aufstellung von Menschen.
- die Ermittlung erwarteter Zuschauerdichten, daraus resultierender angemessener Ein- und Auslasskapazitäten sowie darauf abgestimmte Prozesse wie Ticketkontrolle oder Vorcheck.
- die Kenntnis über zu erwartendes Verhalten bzw. zu erwartende Aktivitäten der Besuchergruppen.
Zimme schliesst mit einem Forderungskatalog, da könnte ich heulen.
Ich fürchte unser Psychologen Crowd Übermensch hat nicht einmal diese kleine Präsentation gelesen. Sonst hätte er gesehen, dass sein Job als Schleusenwärter im Container mit professionellem Crowd Management nichts gemein hat.
Und: (hoffentlich) darauf verzichtet.
Der SPIEGEL von Montag kommt als E-paper immer schon am Samstag Abend um 22:00 heraus. Da ich weiss mit welchem Recherche- und Dokumentationsapparat die Kolleginnen dort arbeiten (können), warte ich gerne ab, was dort bereits bekannt ist und welche Themen aufgegriffen werden, bevor ich selbst weiter in die Tiefe steiige. Werde also im Folgenden versuchen, einige bisher (mir) nicht bekannten Fakten zu gliedern und hier einzustellen. Dabei bleibe ich bei den bisher gesetzten Schwerpunkten:
Wenn im Folgenden nicht anders angegeben, beziehen sich alle Fakten und Zitate auf den erwähnten SPIEGEL (31 / 2010). Wir erfahren, dass es eine Veranstaltungsbeschreibung der Lopavent vom 16. Juli 2010 für die Loveparade in Duisburg gibt. Darin wird die kleine Rampe ausschliesslich als Ausgang ausgewiesen. Wir kennen jetzt auch die Masse der Hauptrampe:
26 Meter breit und 130 Meter lang: Zitat aus der Beschreibung der Veranstaltung durch Lopavent: “Der breite, mittlere Zugang wird sowohl als Ein- wie auch als Ausgang genutzt”.
In zurückliegenden Beiträgen hier auf ”Triumph and Disaster” haben wir die “Wegekonzeption” als Teil des Sicherheitskonzeptes von Stadt und Lopavent beschrieben. Jedenfalls sofern sie sich uns aus vorliegenden Plänen erschloss. Wir haben auch versucht, die Widersprüche und Veränderungen in diesen Plänen darzustellen. Nach diesen zitierten Plänen waren wir vom Begriff der “Einbahnstrassen” mit möglichst kreuzungsfreien, voneinander getrennten Richtungsfahrbahnen ausgegangen.
Diese Sichtweise müssen wir jetzt, jedenfalls ab der Passage der Vereinzelungsanlagen und dem Betreten des Veranstaltungsgeländes der Loveparade Duisburg korrigieren. Dies nicht unbedingt für Planung und Pläne in jedem Fall aber für die Realität am Veranstaltungstag der Loveparade, Samstag dem 24. Juni 2010.
Wir waren urban und auf städtische Strassen fixiert. Das von Lopavent praktizierte Verkehrsmodell stammt aber aus der (Binnen(schiffahrt):
Dazu passend appostrophieren die SPIEGEL KollegInnen den jetzt (neu) eingeführten Lopavent-Mitarbeiter als “Schleusenwärter“. Im hippen Crew-English der Loveparade trägt er die Berufsbezeichnung “CrowdManager“. Diesen “Manager der Massen” führt der SPIEGEL nach einem Zitat von Dirk Oberhagemann ein. Der validiert für das Bundesforschungsministerium “Risiken bei Grossveranstaltungen“. Nachdem Lopavent ihn nicht in die Nähe der Rampe liess, filmt Oberhagemann von ziemlich weit weg: dem 14. Stock eines Hochhauses. (Nicht ganz klar ist mir ob es das gleiche (Hoist) Gebäude ist, in dem die Pressesprecher im 17. Stock sitzen. Das Video zum Bezug des Pressezentrums und damit zu Oberhagemanns möglichem Blick aufs Gelände ist hier: “Noch 1Tag: Blick auf das Loveparade Gelände vorletztes Video auf der Seite.
Jetzt aber zu nächsten Akt: Zitat Oberhagemann und Auftritt CrowdManager / Schleusenwärter:
“Man hätte niemals zulassen dürfen, dass der eine Weg als Zu- und Abgang genommen wird, das Ganze konnte ja nicht gut gehen.”
“Damit es trotzdem gutgeht, dafür sass um diese Uhrzeit (11:00 Uhr L.E.) schon der Crowd-Manager in seinem Container. Der Mann ist Psychologe, ein Experte für Extremsituationen, an diesem Tag aber musste er im Auftrag der Lopavent eher so etwas wie ein Schleusenwärter sein. Ein virtuoser Schleusenwärter, einer, der sich keinen Fehler erlauben darf. Und neben ihm im Container: ein Verbindungsbeamter der Polizei. Zu zweit schauten sie auf ihre Monitore. Sie konnten sich die Bilder von 16 Kameras ansehen, sie hatten beide Zugänge im Blick, Osttunnel, Westtunnel, die Ausgänge aus den Tunneln auf die Rampe, die Rampe selbst, einfach alles.
Von hier aus sollte der Crowd-Manager den Strom der Raver steuern, sollte Anweisungen geben, wann die Security-Kräfte und notfalls auch Polizisten eine Schleuse schliessen mussten, damit nicht zu viele Besucher in den Tunnel drängten, und wann die Schleusen wieder aufgehen konnten.
Seine wohl schwierigste Aufgabe bestand aber darin, Raver aus dem Gelände herauszulassen, solange andere noch zu Tausenden hineindrängten. Dazu hätte er immer mal wieder stoßweise den Fluss an einer Schleuse drosseln müssen. So wäre es leerer geworden, wäre Platz geblieben für den Gegenverkehr der Abwanderer. Doch gleichzeitig verlängerte der Crowd-Manager damit natürlich auch den Stau vor den Eingangsschleusen. Ein Dilemma – und bei Hunderttausenden Besuchern eine schier übermenschliche Aufgabe.
Das in der Darstellung des CrowdManagers eingeführte “Prinzip Schleuse” scheint -man mag es kaum glauben- für Tunnel und Rampe die einzige Wegeplanung der Sicherheitskonzeption zur Loveparade Duisburg gewesen zu sein. Jedenfalls die einzige, die ein zentraler Funktionsträger des Veranstalters kennt.
Nun ist dieses Prinzip aber leider gar keine Planung und schon gar kein Konzept. Vielmehr handelt es sich um blosse Beschreibung von Funktion und Delegation. Die Lopavent GmbH hat also -es sei denn wir lesen demnächst sehen bald andere Dokumente, - Verantwortung und Steuerung für die “Crowd” an dieser zentralen Stelle ohne Konzeption und Planung an einen einzelnen Mitarbeiter, den CrowdManager delegiert. Der soll das konzeptionell nicht beschriebene auf dem Gelände nicht abgebildete Wegekonzept schon richten. Der Psychologe für Extremsituationen hat aber offensichtlich als er den Job übernahm geglaubt es schon richten zu können. Wie wir jetzt wissen, konnte er nicht. Und verabschiedet sich gegen 16:00 Uhr aus dem Job, jedenfalls nach Darstellung des SPIEGEL: “ Um 16:00 so meint der CrowdManager habe er dann alles der Polizei übergeben und die das Commando übernommen.”
Dann hören wir noch, dass die Polizei das anders sieht. Den Blick aus den 16 Kameras schauen wir uns aber besser live am Sonntag Abend an. Jedenfalls: die Funktion der Zugangssteuerung hat die Loveparade Orga damit bereits um 16:00 abgegeben. Fragt sich nur ob davon der Krisenstab etwas mitbekommen hat.
Damit komme ich zu einer unvollständigen Liste offener Fragen auch nach SPIEGEL Lektüre:
Oder eben auch nicht…
Dass die Stadt Duisburg zur Zeit keinen Vertreter hat der Krisenmanagement betreiben kann, liegt nicht an Adolf Sauerland sondern eher an der Art, wie wir in Nordrhein Westfalen -und in vielen anderen Bundesländern eine Mischung aus Urwahl, Beamtenrecht und Management eines Grossbetriebes zu einer unglücklichen Mixtur zusammenmischen. Wenn aktuell weniger los ist, dazu gerne mehr…
Sauerland kann nicht zurücktreten, ohne sich und seine Angehörige ins ökonomisch bodenlose zu stürzen. Ausführlicher dazu die Financial Times. Das kann man nun wirklich nicht von ihm erwarten. Insofern muss der Rat der Stadt Duisburg jetzt schnell handeln.
Beerdigen wir also mit der Loveparade und den 21 Toten auch die gehypten Zahlen. Es waren keine Millionen Menschen auf den Loveparades. Jedenfalls nicht auf denen der letzten Jahre. Nicht auf denen in der “Metropole” Ruhr. Unser Informant weiss zwar sonst nicht viel. Aber: das muss er wissen, er war ja nah genug dran. Also, einmal mehr und hoffentlich nicht mehr allzu lange: Adolf Sauerland, der Mann mit dem Überblick in der Stadtverwaltung Duisburg. Ist ja schliesslich Oberbürgermeister dort. Jedenfalls, Adolf Sauerland hat heute ein grosse Interview gegeben, bei: “Der Westen“. Und da sagt er Worte , die muss man sich auf der Zunge zergehen zu sagen, ober mit dem geschätzten Karl Kraus zu formulieren: ”
“Je länger man ein Wort anschaut, umso fremder schaut es zurück… ”
Genug der Vorrede, O-Ton Sauerland:
Die Veranstalter haben uns schriftlich versichert, dass weit unter einer Millionen Menschen kommen würden. Da gab es eine große Public-Relations-Maschine. Die Zahlen wurden immer um den Faktor drei oder vier übertrieben. Deswegen mussten wir auch die Zahl der wirklich erwarteten Teilnehmer geheimhalten, um der Firma Lovpavent als Veranstalter der Loveparade keinen Imageschaden zuzufügen.

Ob Wizzard und Magier schon gegangen waren? Adolf Sauerland, Oberbürgermeister von Duisburg auf einem Kinderfest mit "Hexe"...
Es war einmal ein Oberbürgermeister. Der hiess Adolf. Eines Tages verzauberten ein durchtrainierter Fitnessunternehmer und ein begnadeter PR-Wizzard unseren Bürgermeister Adolf, in ein kleines Rädchen einer grossen, grossen Public Relations Maschine.
PR-Maschinen lügen, das weiss doch jedes Kind.
So musste auch Oberbürgermeister Adolf mit-lügen, mit-fälschen, mit-schweigen mit-schönen. Denn sonst hätten die Zauberer einen fürchterlichen Imageschaden erlitten und unseren kleinen Adolf aus der grossen grossen PR Maschine wieder ausgebaut…
Oberbürgermeister rheinischer Grossstädte als Imagemaschine für Fitnessstudios und dröhnend kreisende LKWs. Das ganze moderiert von Oliver Pocher im Livestream…
Hat was!
Aber: nur als Satire!
In echt ist es nur noch grässlich, und wie wir jetzt wissen auch lebensgefährlich. Fast könnte man mit Blick auf Adolf Sauerland in der “grossen Public Relationsmaschine” vergessen, dasss die Gemeindeordnung von Nordrhein Westfalen ihm nicht PR als Aufgabe gestellt hat:
Der Bürgermeister ist verantwortlich für die Leitung und Beaufsichtigung des Geschäftsgangs der gesamten Verwaltung. Er leitet und verteilt die Geschäfte.
Da scheint er seine Prioritäten nicht gehabt zu haben. So kann es gehen “in grossen PR-Maschinen”.
Allerdings:
Adolf Sauerland absetzen ist auch nicht so einfach sagt die gleiche Gemeindeordnung. Und zurücktreten kommt Adolf Sauerland teuer. Und McFits Rainer Schaller und sein PR SpinDoctor Björn Köllen haben Adolf nur als Oberbürgermeister gebraucht. Verlassen sich sonst lieber auf die Klitschkos.
“Kann also noch dauern”…
bzw, mit Bernd, dem Brot:
“So ein Mist!”
…findet selbst angesichts der Löschungswut zahlreicher Verantwortlicher der Loveparade Duisburg, was er sucht. Oft jedenfalls. Und mit etwas Glück and a little Help of Friends. In unserem Fall fanden wir grössere und (soviel sei jetzt schon verrraten) sich widersprechende Grafiken zum Sicherheitskonzept der Loveparade Duisburg 2010 und den geplanten Wegstrecken.
Diese Grafiken öffnen sich in voller Grösse und in einem eigenen Fenster, wenn man auf die kleineren Faksimiles hier im Text clickt.
…
Zusammen mit den heutigen Ausführungen des Innenministers von Nordrhein Westfalen Ralf Jäger (hier als *pdf )
präzisiert die hier jetzt in ausreichender Grösse vorliegenden Zeichnungen das Bild erheblich. Zunächst erscheint es fast, als entspreche die erste Grafik, der Wegeplan vom Hauptbahnhof Duisburg zum Gelände der Loveparade Duisburg 2010 exakt der Zeichnung auf der bereits erwähnten kleineren Abbildung. Diese hatten wir auf den 4. Juni 2010 datiert. Die jetzt entdeckte Zeichnung ist neueren Datums. Sie unterscheidet sich von der vorherigen in (mindestens einem) wichtigen Detail.
In der neuen hier zu sehenden Grafik werden die gesperrten Duisburger Strassen innerhalb des Einbahnwegeringes nicht mehr eingezeichnet. Das mag noch der Vereinfachung dienen. Dann hat man die am Veranstaltungsgelände vorbei führende und gesperrte A-59 weder beschriftet noch farblich hervorgehoben. Alle Strassen erscheinen jetzt “einheitsgrau”. Der “Zugweg” ist nicht mehr farblich exponiert. Durch die Einheitsfarbe kann man sowohl auf der Seite der A-59 als auch der Bahngleise die Kreuzungssituation wesentlich schlechter erkennen als vorher.
Um die entscheidende Veränderung an diesem Plan zu erkennen, muss man allerdings sehr genau hinschauen. In der ursprünglichen (kleineren) Fassung ist der Aufgang zur Rampe deutlich unterteilt, der Rampenaufgang zum Gelände deutlich strukturiert. Jeweils zwischen der blau/grünen Spur und der gelb/roten Spur befindet sich “als Trenner” ein Rechteck in ocker (der alten Strassenfarbe). An diesen ist das damals in “türkis” gezeichnete Veranstaltungsgelände ”ocker” überdeckt.
Diese ockerfarbene Trennung fehlt auf dem neuen (grösseren) Bild. Hier geht es unseparierter und daher unstrukturierter auf die Rampe hoch und wieder zurück. Beide Versionen skizzieren das Veranstaltungsgelände sehr vereinfacht und in Bezug auf die Breite des Aufgangs, was die Breite angeht, “schön”gezeichnet”. Die abknickenden Pfeile, die den Rampenaufstieg ins Gelände der Loveparade Duisburg symbolisieren, nehmen fast 80% der Breite des gesamten Veranstaltungsgeländes ein.
Wie immer das Konzept ausgesehen haben mag: zur Orientierung oder gar Anleitung der Besucher auf dem Gelände taugen die Grafiken nicht. Meines Wissens hat man den Besuchern auch keine Flyer am Bahnhof mitgegeben. Dies worde am Wochenende davor bei Still-Leben Ruhrschnellweg besser gelöst. Da bekam jeder Teilnehmer den folgenden Streckenflyer. Ein vergleichbarer Flyer hätte was die Wege auf dem Gelände -so man denn einen Plan hatte- angeht, sicher genützt
…
Die zweite Grafik ist völlig neu, mir jedenfalls. Sie gehört zu Daten, die den Löschungsaktionen auf den Servern der Loveparade zum Opfer fielen. Die sind bekanntlich radikal leergeputz. Herzlichen Dank den Unterstützern, die sie jetzt trotzdem hervor gezaubert haben.
Zunächst die Unterschiede zur bisherigen Grafik des Wegeplans:
Zu- und Abgang in das Gelände, der Loveparade 2010, also die Menschenströme auf der Rampe werden in dieser Zeichnung des Geländes anders als bisher gestaltet. Jetzt ist nicht mehr wie im ersten kleinen Bild ein Quader der jede Spur teilt, vielmehr werden zwei Aufgänge unterschieden. Diese sind hier durch ein zu den Hallen des alten Bahnhofs hin offenes lila Rechteck geteilt. Noch entscheidender. Die grün blaue Linie produziert jetzt im Unterschied zu den letzten beiden Grafiken Kreuzungsverkehr. Man kann zwar nicht genau sagen, wo dieser Kreuzungsverkehr statt findet . Nimmt man die beiden Zu- und Abgänge als die beiden Rampen, entstände dieser Verkehr im Tunnel dazwischen. Denkt man sich das nach oben offene Rechteck auf der uns bekannten Rampe, entstände die Kreuzung der Zu und Abgehenden TeilnehmerInnen der Loveparade Duisburg genau vor dem Container der Security an der Stirnseite der Rampe. Also genau unter den grossen Richtungsschildern. Wen wundert es bei diesen Widersprüchen, ein frisch angelerntes Securitypersonal nicht wirklich durchblickt.
Stau am Ende der Rampe vorprogrammiertDie neue Zeichnung vom Gelände und seinen verschiedenen Funktionen ist auch eine hervorragende Ergänzung zur heutigen Pressekonferenz des Innenminister von NRW Ralf Jäger und des Inspekteurs der Polizei Dieter Wehe von heute. Will man näher in diese Thematik einsteigen lohnt es sich neben der grösseren Anzeige dieser zweiten Grafik auch das zoombare Luftbild des WDR vom Gelände der Loveparade Duisburg zu in einem eigenen Fenster zu öffnen. Dann kann man die einzelnen im folgenden angesprochenen Punkt gut per Zoom ansteuern.
Leider ist nicht klar zu welchem Zeitpunkt dieses Luftbild vom Veranstalungsgelände der Loveparade 2010 aufgenommen wurde. Da auf der Autobahn schon Krankenwagen stehen, wird es (deutlich) nach der Panik aufgenommen sein. Die kleine linke Rampe scheint offen und unten im Tunnel sowie auf der Tunnelstrasse an der Böschung bei (7) scheint kein Stau mehr im Tunnel zu sein. Ausserdem verlassen Besucher das Gelände über die Autobahn 59, auf Höhe des LKW 13 der Zeichnung.
Man sieht auf diesem Luftbild es alten Güterbahnofs Duisburg aber selbst zu diesem Zeitpunkt noch gut, wie schmal der Durchgang am Ende der grossen Rampe zwischen LKWs (Floats) und rechter Rampenböschung ist. Nach links (6 auf dem Photo) ist der Ausgang von der Rampe nicht viel breiter. Egal ob die Loveparade in Duisburg für 250.000, 500.000 oder für 1,4 Millionen Menschen konzipiert und genehmigt wurde:
dieser Durchgang ist einfach zu eng!
Bedenkt man, dass hier in allen Wegekonzeptionen der Sicherheitskonzeption zur Loveparade Duisburg Gegenverkehr durch das Veranstaltungsgelände verlassende Besucher auftritt, ist ein Stau vorprogrammiert. Mindestens an dieser neuralgischen Stelle hat die Stadtverwaltung Duisburg die notwendige Breite jeder Bau- und Nutzungsordnung ignoriert. worden. Man darf gespannt sein, wann die die Stadt Duisburg und der Chef ihrer Verwaltung OB Adolf Sauerland die Original Pläne und Zeichnungen der für die Strassen und Wege auf dem alten Güterbahnhof Duisburg, auf deren Grundlage sie ihre Genehmigungen erteilt hat, veröffentlicht.
Gerade sehe ich, dass eine sehr detailierte Grafik auf der PK von Innenminster Jäger publiziert wurde. Ich stelle Sie hier ein. Sie macht exakt das Erwähnte deutlich: der Eingang am Ende der Rampe zum Veranstaltungsgelände der Loveparade 2010 in Duisburg war zu eng.

Vergleicht man Luftbild und Grafik, fällt auf, das letztere die “Eingangsssituation” zur Loveparade 2010 erheblich grosszüger zeichnet. Eng auf der Grafik wird es erst zwischen den Punkten 230 und 467 (bei LKW 3). Da sieht es auf dem Foto (fast)( grosszügiger aus. Es gibt reichlich Platz auf dem grossen Areal rechts zwischen den Punkten 468 und 477. Dort ist allerdings ein höchst unattraktiver Platz, um das Geschehen auf der Bühnen bei 201/202 live zu verefolgen, trotz der aufgestellten Videowände.
Diese Grafik zum Sicherheitskonzept der Loveparade 2010 scheint mir bisher nicht bekannt. Sie stammt vom 4. Juni 2010. Leider gibt es sie nicht grösser. (Inzwischen zum Glück doch: “Wer lange sucht…” ).
Ich gehe davon aus , dass der darin beschriebene Wegeplan auf zwei getrennten Einbahnstrassen Teil des bisher im Detail noch nicht bekannten Sicherheitskonzepts der Loveparade war. Die Grafik beschreibt, dass (jedenfalls zum Zeitpunkt der Entstehung und Vorstellung dieser Grafik) zwei sich nicht kreuzende Wege vom Duisburger Hauptbahnhof zum Veranstaltungsort führen sollten

Konsequent ist dieser Wegeplan untertitelt:
Die vielen tausend Fans der Loveparade 2010 werden am 24. Juli sicher und zügig über zwei Routen zum Güterbahnhofsgelände geleitet. Ein detailliertes Leitsystem wird sie ab Duisburg Hauptbahnhof zu ihrem Ziel führen – und natürlich auch zurück.
Im Zusammenhang mit der Farbgebung dieser Zu- und Abwege versteht man jetzt auch die riesigen Schildern am Katastrophenort besser: “Düsseldorf / Krefeld” (rot/gelb) “Oberhausen / Essen” (grün blau)…
Ich erlaube mir an einer Stelle mal kollegial ein Bild einzustellen:
Liebe Kollege/in, ich nehme es sofort runter, aber anders kann man es hier schlecht erklären.
Die hier vorgestellte Planung zu den Wegen des Sicherheitskonzepts will die anströmenden Besucher bereits am Hauptbahnhof nach der Richtung Ihrer Anreise trennen. Konsequent hätte man denn den Bahnhof in der Mitte teilen müssen. Die gleiche Trennung hätte man am Übergang des Tunnels zur Zugangsrampe gebraucht und durchhalten müssen. Auf der Rampe selbst kann man dann sogar vier “Bewegungsspuren unterscheiden. Auch die hätte man einrichten und sichern müssen. Auf dem Gelände hätten sich die Menschen nach diesem Sicherheitskonzept dann verteilt und die Loveparade Duisburg über eine der zwei Abgangsspuren auf der Rampe wieder verlassen .
Dass Schilder in dieser Grösse zu sehen sind, spricht dafür, das man auch am Veranstaltungstag dieses Einbahnstrassensystem als Teil des Sicherheitskonzeptes zur Loveparade Duisburg durch halten wollte. Für mich als nicht Beteiligter machen die Schilder allerdings erst Sinn, seit ich die Grafik dazu gefunden habe und damit erstmalig einen Eindruck von den Wegen laut Sicherheitskonzept der Loveparade hab.
Das gezeichnete Einbahnstrassen Konzept bricht umgehend in sich zusammen, wenn man das Veranstaltungsgelände an der Rampe sperrt, bzw. sperren muss. Dann ist nicht nur der im System geplante Rückweg versperrt. Man muss dann auch in der “Einbahnstrasse” umkehren. Was bei den nach strömenden Massen unmöglich ist. Insbesondere wenn man bedenkt, wie schmal jede der vier Spuren auf der Rampe ausfallen würde. In Aktion habe ich diese Spuren auf der Rampe auch auf keinem der Videos bisher erleben können. Schwer vorstellbar, dass dieser Fall “Veranstaltung wegen Überfüllung geschlossen / Rampe dicht” im Sicherheitskonzept nicht wenigstens mit einer (Schein)lösung bedacht wurde.
In dem Zusammenhang sehr eindrucksvoll sind zwei Videos von Kruess TV. Die gegen 14:30 den Weg, also nicht etwa die Wege zur Loveparade dokumentieren Ab Minute fünf merkt man deutlich die Verdichtung und Verlangsamung der Menschenmasse. Mir erschliesst sich da keine Bewgung mehr, schon gar nicht die in einer Einbahnstrasse. Da steigen schon Menschen auf Ampeln, um zu schauen, wie weit es noch ist. Die Polizei schiebt ab Minute sieben Gitter in den Weg um zu vereinzeln. Und es wird auch tatsächlich wieder schneller und “dünnflüssiger”.
Teil II scheint mir bis zur Minute 1:04 eine Wiederholung zu sein. Ab Minute 1:06 sehen wir möglicherweise das “Einbahnstrassensystem. Im Gegensatz zu den vorher gesehenen “Wellenbrechern” der Polizei besteht es aus eher unstabilen Bauzäunen. Ab Minute 1:16 wird mal kräftig an denen gerüttelt. Als das System bei 1:27 aufgebrochen wird, sieht man deutlich dass hinter dem jetzt geöffneten Zaun einige Menschen in die andere Richtung unterwegs sind. Den durch den Zaun die linke Spur einnehmenden Gästen ist der Stau in Ihrer Spur zu lang geworden. Sie streben jetzt auf der “Gegenfahrbahn” dem Ziel zu. Es ist aber nur eine Frage der Zeit. wann diese linke Gegenfahrbahn verstopft sein wird. Dann kommt aber aus Gelände und Tunnel niemand mehr raus. Bei 3:29 erfolgt dann eine Einlasskontrolle mit Search. da kommen auch erstmalig die Security T-Shirts im türkis der Veranstalter ins Bild. Ab Minute 4 geht es in die erste Unterführung und von einer Teilung der Strasse ist nichts (mehr?) zu sehen. Man sieht aber auch: es bewegen sich genug Menschen in Gegenrichtung. Ab Minute 5 sind wir dann auf der Rampe und sehen im Blick zurück die Grossen Schilder für den Rückweg. Bei 5:17 scheint mir die aus später bekannte Aufnahme schmale Betontreppe noch mit den schwachen Bauzäunen gesichert. Schon ab 5:58 nehmen Menschen rechts und links “Abkürzungen über die unzureichend gesicherten Mauern und Böschungen. Gerade die Mauern sind so zerklüftet dass sie förmlich zum Besteigen einladen. In diesen Passagen sind weder Ordner noch PolizistInnen zu erkennen. Bei 6:51 ist deutlich zu sehen: das Gelände läuft voll und die Menschen haben Grund über die Böschung auszuweichen. Da, ab 7:12 entwickelt sich auch die später weiter genutzte Route über den (Licht?)mast. Der ist nicht gesperrt und erneut: niemand regelt.
Man hat danach einene besseren Einblick. Es wird aber höchste Zeit dass Sicherheitskonzept endlich öffentlich wird. Kaum zu glauben, dass es sich bei der Anzahl der an der Vorbereitung Beteiligten bisher niemand traut, dieses Sichrheitskonzept wenn schon nicht als Ganzes so doch in Teilen zu leaken. Wo Wikileaks doch heute sogar den SPIEGEL Titel füllt….
Fürchte Duisburg Marketing ist ein Spielverderber, jedenfalls in Sachen Loveparade Duisburg. Oder sollte es sogar die Stabsabteilung unter OB Sauerland im Rathaus sein? Reicht wohl nicht die Webseiten in die Tonne zu kloppen. Jetzt müssen noch alle Videos hinterher. Als wäre die Loveparade nie in Duisburg gewesen. Aufklärung macht man anders, verehrte KollegInnen…
Mir jedenfalls will scheinen, keines der Videos auf dieser Seite läuft. Nur tiefe schwarze Löcher. Wir sind ja von den Duisburgern im kommunalen Umfeld so einiges gewöhnt. Ja, gerade bei den Marketing- und Kommunikationexperten wird gerne mal was heimlich entsorgt und weggeschmissen. Keine Sorge, wir haben die Videos, wie auch die Webseiten gesichert. Wir werden aber einen Teufel tun, uns jetzt von Euch auch noch copyright Verfahren an den Hals zu holen. Vielleicht später mal.
Lassen wir es also auf diesen Seiten bei den beredten schwarzen Löchern zur Loveparade Duisburg, präsentiert vom Amt für Kommunikation und Duisburg Marketing.
l.e. 5.8. 2010
Die Loveparade Duisburg 2010 treibt mich weiter um. Das Recherchieren habe ich bei Gert Monheim gelernt: “Lesen, noch mal lesen, genauer hinschauen, genauer lesen, anders lesen…” Diese Arbeit ist mühselig und wenig sensationell. Klar wäre es schön, jemand würde mir jetzt dsas “Sicherheits”konzept der Duisburger Loveparade zuspielen oder wenigstens: die Originalgenehmigung des Duisburger Bauamtes. Die liegt immerhin inzwischen dem SPIEGEL vor. Diese Genehmigung der Loveparade Duisburg verzichtet auf Feuerwehrpläne, Breite der Fluchtwege, und beschränkt die Besucherzahl auf 250.000. Wir Investigativen sind diskret und verstehen uns darauf Informanten zu schützen. Hier geht es zum Kontaktformular. Bis dahin hilft nur das Handwerkszeug: sammeln, lesen, hinschauen, möglichst abseits der ausgelaufenen Pfade.
Zunächst mal fällt auf wie eng mindestens Stadt und Veranstalter im Entstehen der Loveparade Duisburg 2010 kooperiert haben. Als Veranstalter der Loveparade 2010 fungieren mindestens zwei Firmen. Zunächst die Loveparade Berlin GmbH . Da ist McFit Inhaber Rainer Schaller seit 2006 Inhaber und wohl auch Geschäftsführer. Dann gibt es da noch die Lopavent GmbH. Da tritt regelmässig Björn Köllen auf, der in Personalunion als Pressesprecher aller drei Firmen, also von McFit, Lopavent GmbH und Loveparade GmbH zu sein scheint.
Loveparade Gmbh und Lopavent entsorgen gerade ihre Geschichte nicht nur zur Loveparade Duisburg, sondern komplett. Im Internet gibt es nur noch eine (identische) Titelseite:
Unser Anliegen, ein fröhliches Miteinander von Menschen durchzuführen, ist von den tragischen Unglücksfällen am 24.Juli 2010 überschattet worden. Daher beenden wir den Livestream zur Loveparade. Unser aufrichtiges Beileid gilt allen Angehörigen und unsere Gedanken sind bei denjenigen, die derzeit noch versorgt werden müssen. Die Stadt Duisburg hat eine Hotline eingerichtet, unter der sich besorgte Angehörige informieren können: 0203-94000
Der Rest der Webseiten ist vom Server geputzt:
“Wag the Dog, nennt man es man im Englischen, wenn der Hund mit dem Schwanz wedelt. So ähnlich scheint es zur Lovparade Duisburg 2010 zwischen Stadt und den Veranstaltern zugegangen zu sein. Die Stadt Duisburg richtet am 27 Mai auf youtube ein offizielles Videoportal “StadtDuisburg” ein. Auf einem der ersten Filme dort kann man das Gelände der Loveparade Duisburg im Rohbauzustand besichtigen. Musikalisch mit Rave unterlegt:
Wie es ausschaut, wenn Kommunalpolitik zu “Stadtmarketing” verkommt zeigt Duisburg Marketing Chef Uwe Gerste ein Video später: “Und dann wir es sicher ein hervorragendes Bild von Duisburg in der Welt geben…”:
Schliesslich ist das Gelände zur Loveparade Duisburg hergerichtet und bezogen. Bei der Stadt ist man sichtlich fasziniert. Und wer redet und gestaltet die Beiträge? Björn Köllen, Pressesprecher von McFit/Lopavent und ein Kollege von der Technik, im Untertext zum Video kumpelhaft mit Vorname “Jochen” vorgestellt…
Und finally:
unter der Überschrift “Noch einmal schlafen, dann wummert es in Duisburg” eine Bericht aus dem “Adlerhorst” in dem die KollegInnen des Joint Ventures ihre “Hochsitze” für die Loveparade Duisburg eingenommen haben. Mit dabei: Frank Kopatschek, den Chef für Kommunikation in der Duisburger Stadt Verwaltung:
Der “Moderator” und Regisseur dieser Filme ist übrigens Klaus Peter Tomberg. Bei Duisburg Marketing als “Einsatzkoordinator” beschäftigt. Man beachte auch die Passende Musikauswahl mit Technogewummer einiger Videos.
Der spielt sichtlich gerne Fernsehen, und sei es nur auf youtube. Hier nach dem letzten Grossevent Still-Leben Ruhrschnellweg und eine Woche vor der Loveparade Duisburg: “Wenn wir heute in einer Woche so locker sind wie jetzt, dann ist die Loveparade gut gelaufen…dann wird es sicherlich ein bisschen spannender als hier heute.” Anschliessend bekommen wir dann das eigentümliche “Partylifter” Projekt zur Loveparade von Uwe Gerste, dem GF von Duisburg Marketing erklärt Und: dass auf dem Loveparade Gelände gar nix passieren kann.