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Crowd Manager Carsten Walter schweigt zur Loveparade Katastrophe. Das ist weder originell noch unverständlich. Kein Wort also, nicht mal mit einem Anwalt, redet Walter mit Kripo oder Staatsanwälten. Sollen die doch ohne sein Hilfe her­aus­finden, was schief gelaufen ist.

Crowd Manager Carsten Walter:

Desinformation per SPIEGEL – Interview

Zu Schweigen ist Carsten Walters gutes Recht.

Für potentiell Verantwortliche gibt es schliesslich  das Recht auf Aussageverwei­gerung  (§55 StPO). Das ist eine hohe Errungenschaft und geht völlig in Ord­nung. Die wenigsten dieser Schweiger erhalten jedoch  Gelegenheit exclusiv via SPIEGEL ihre Sicht der Dinge unter die Leute zu bringen. Diplom Psychologe und Crowd Manager Carsten Walter schafft das. Schliesslich plagt ihn die Verantwor­tung. 

Manchmal  bin ich sehr konservativ: wer die Aussage bei der Polizei verweigert, sollte seine Verteidigungsstrategie auch nicht per Nebelkerze im SPIEGEL fördern können. Schon gar nicht sollte er weniger hart befragt werden, als jeder andere Profi. Genau das geschieht aber im SPIEGEL Gespräch mit Carsten Walter. Die Fragen der SPIEGEL Repoerter sind mehr als zurückhaltend. Gerade wird dies von SpiegelOnline noch getoppt:

Loveparade Duisburg Crowd Manager Carsten Walter wird im Spiegel zu Opfer...

Spiegel Online: Carsten Walter, Leiter des Eingangsbereiches auf der Loveparade in Duisburg als Opfer im SPIEGEL - Gespräch: "Angst um mein Leben..."

Das geht nun wirklich zu weit! Zunächst:

Der SPIEGEL versäumt seit zwei Wochen eine Beziehung zwischen Carsten Walter als Leiter des Bereiches Einlass und dem verantwortlichen Leiter für Sicherheit und Ordnerdienste bei Lopavent Lutz Wagner herzustellen. Dabei stammen beide aus dem Dunstkreis der gleichen Sicherheitfirma. Die dementiert auf ihrer Webseite zwar wortreich diese Positionen bei Lopavent besetzt zu haben. Bei der geschick­ten Gestaltung von Verträgen als Honorar oder Werkvertrag dürfte das kein grös­seres Problem darstellen. Lopavent Sicherheitschef  Wagner und Einlass Leiter Crowd Manager Walter präsentieren das Konzept jedenfalls gemeinsam mit wei­teren Angestellten der Lopavent auf dem von Walter erwähnten Tref­fen. Kaum zu glauben, dass ein Experte wie Carsten Walter nicht auch seine konzeptionellen Fähigkeiten in diese Präsentation eingebracht hat.

Walter wird im Protokoll des Treffens als “Abschnittsleiter mit Zugriff und Wei­sungs­recht auf 150 Ordner” beschrieben. Das sind angesichts der Sensibilität des Eingangsbereiches nur 10 % aller Ordner , also nicht sehr viele viele. Das gilt be­sonders, wenn man den Tag in Schichten einteilt. Immerhin sollte der Einlass ab spätestens 11:00 offen sein und bis deutlich nach Mitternacht zum Verlassen des Loveparade geländes geöffnet bleiben. Mir scheint das schon vom Konzept her eine deutliche Unterbesetzung für zwei Einlasskontrollen mit Vereinzelungsanlagen, die Wege durch zwei lange Tunnel, eventuell die Sperrung und Einteilung der Rampe, Schutz von Treppe und Masten und nicht zuletzt “pushen” von Besuchern über die Float Strecke in den hinteren Veranstaltungsraum. Crowd Experte Carsten Walter scheint diese Konzept zum Zeitpunkt seiner Präsentation aber mitgetragen, viel­leicht sogar miteentwickelt zu haben. Eine Frage des SPIEGEL zu diesem Konzept hätte gewiss nicht geschadet.

Folgende Aufgaben sollte Crowd Manager Carsten Walter regeln:

Abschnittsleiter Carsten Walter sichert nach dem Protokoll des Treffens folgende Bereiche des Loveparade – Sicherheitskonzeptes mit seiner Ordner­truppe ab:

  • Vereinzelungsanlagen betreiben.
  • jeden einzelnen Ordner sowie Ordnergruppen jederzeit per Bündelfunk erreichen können,
  • jederzeit auf Videobilder zugreifen können.

Sogar noch einiges mehr. Man kann das nachlesen.

Für Walters Bild auf die Lage sind 5 der insgesamt 17 Kamerapositionen relevant:

Eine (Kamera 13) steht über dem Führungscontainer mit Blick auf die Rampe. Eine (Kamera 4) filmt vom Ende des alten Bahnhofs. Liefert also den umgekehrten Blick zu Kamera 13: man sieht auf Walters Führungscontainer und die Wand hinter Carsten Walters Container mit den grossen Hinweisschildern. Zwei Kameras (15 und 16) stehen jeweils an einer der beiden äusseren Ecken der Rampe. Eine (Kamera 12) steht auf der rechten Rampenböschung. Dann zwei weitere wichtige Perspektiven: Kamera 14 und 17 schauen auf je eine der Vereinzelungsanlagen vor den beiden Tunneleingängen.

Von diesen Perspektiven des Carsten Walter, und wohl auch seiner Einsatz­leitung sowie einiger Personen mehr, sehen wir seit einer Woche Bilder von höchstens zwei Kameras, nämlich 13 und 15.

Warum nur zwei Kameraperspektiven, lieber Spiegel?

Gibt es für diese Zurückhaltung eine logische Erklärung?

Oder stimmt die naheliegenste Begründung: SPIEGEL, wie auch alle anderen die Bilder aus den Überwachungskameras verbreiten, erhalten von interessierter Seite vorsortiertes und interessiert zusammengestelltes Material. Statt dies klar zu stell­en und die Quelle wenigstens geschützt zu nennen, wird uns dieses PR Material als hart recherchiert und quasi dokumentarisch verkauft.

Fällt sonst niemand auf, dass wir fast ausschliesslich Polizisten zu sehen bekom­men? Da sprangen aber gleichzeitig Carsten Walters per Bündelfunk gesteuerte Ordner mit oder ohne Funkgerät, mit oder ohne Instruktionen ihres Abschnittleiters herum.

Hat jemand diese von Walter eingesetzten Ordner gesehen?

Fragen, die leider weder der Spiegel der letzten, noch der dieser Woche beant­wortet oder auch nur erhellt.

Es gibt weitere Fragen, die man spätestens dann stellen sollte, wenn nach SPIEGEL und BILD demnächst noch die BUNTE eine Homestory mit Diplom Psy­cho­loge Carsten Walter bringt: “Zu Hause beim Crowd Manager…” Aber, lieber SPIEGEL, vielleicht erlaubt Herr Walter ja Nachfragen…

  • Was hat Crowd Manager Carsten Walter auf seinen 17 Kamerasund zwei Monitoren wann gesehen?
  • Wen hat er in der Lopavent nach oben informiert?
  • Welche Rückmeldungen hat er bekommen?
  • Hatte er seine 150 Ordner im Griff?
  • Welche Massnahmen hat er Ihnen gegenüber angeordnet?
  • Haben diese Massnehmen gegriffen.

Wer ein wenig Ahnung von Events dieser Grössenordnung hatte, musste spä­tes­tens gegen 15:00 Uhr sehen, dass der Zu- und  Abgang gefährlich voll wurde. Hier wäre es einerseits notwendig gewesen, den Rampenausgang freizuhalten. Man hätte dazu die Musik der Trucks dämpfen und über deren Lautsprecher organi­satorische Durchsagen zum besseren Verteilen auf dem Gelände machen müssen. Wenn überhaupt hätte diese Massnahme gegriffen. Mit Polizeiketten, richtig oder falsch aufgestellt, war die Situation jetzt nicht mehr zum Guten zu wenden.

Dazu hätte Carsten Walter den Lovepaarde Sicherheitschef und Vertrauten Lutz Wagner anfunken müssen. Ist das geschehen? Durfte Wagner Durchsagen über die Floats machen? Oder musste er erst um Erlaubnis fragen? Hat diese Idee jemals existiert? Ist niemand darsuf gekommen? Hat jemand die Idee kassiert? Dazu spricht bis heute niemand. Die Beteiligten mauern.  Lopavent hatte jederzeit die Möglichkeit, Durchsagen über die Floats zu machen. Ausserdem gab es zwei freie Leitungen für Telefonkonferenzen mit Krisenstab, Polizei und wem auch immer. Da an der Spitze wäre zu handeln gewesen. Ist das versucht worden? Oder deckt Walter die Lopavent Leitung?
An die Arbeit SPIEGEL! Es bleibt viel zu tun!

Mehr zu Carsten Walter und seinem Job als Crowd Manager.

Loveparade Duisburg:
Zwischenbilanz nach 10 Tagen…

Bis zum 24. Juli 2010 war “Triumph and Disaster” ein privat/politischer Blog:  seit P.s Geburtstag im Januar 2010 schweigend. Es kann beschaulich sein, hier in der Eifel, im alten Pfarrhaus von 1722., Maria Laach und  Schloss Bürresheim um die Ecke.  Die “kleine Schwarze” aus der Nachbarschaft schaut auf eine Milch vorbei. Ein Siebenschläfer jagt vor Mitternacht Insekten auf der Fensterbank.
Den ersten Beitrag zur Katastrophe Loveparade 2010 schrieb ich am Sonntag dem 25. Juli 2010: “Loveparade Duisburg: gleich um die Ecke…”. Nach jener unsäglichen Pressekonferenz der in Duisburg Verantwortlichen. Die hatte ich mir nicht geschenkt, nach dem Telefonat mit P. am Vorabend, als die Kinder nicht zu erreichen waren. In diesem ersten Beitrag formuliere ich eine Ahnung

Keiner der Beteiligten, stellt in groben Umrissen das allseitig abgesegnete “Sicherheits”konzept vor. Keiner scheint zu wissen, wie viele Menschen vor oder auf dem Gelände der Loveparade Duisburg gewesen sind. Die Angaben schwanken auch jetzt noch zwischen “der belastbarsten Zahl” 105.000, die Schmeling wohl aus den Ticketcomputern der Bahn gewonnen hat, 350.000 für die der Veranstaltungsort ausgelegt gewesen sei, und 1,4 Millionen mit denen Loveparade Geschäftsführer Rainer Schaller vor Beginn der Parade rechnete. Man darf auf das kommende Schweigen der Verantwortlichen angesichts dieser Diskrepanzen gespannt sein.

Nicht schlecht prognostiziert. Offiziell schweigt die Stadt Duisburg, vertreten durch ihren Oberbürgermeister Adolf (Ich habe viele Fragen…) Sauerland, ihren Dezernent für Sicherheit und Recht Wolfgang (… im Krisenstab hat alles prima geklappt… ) Rabe und den Baudezernent Jürgen (…meine Sondernutzungserlaubnis war jedenfalls in Ordnung…) Dressler. Es schweigen (inzwischen) auch die von den Duisburger Stadtverwaltung  geheuerten Experten: vorneweg schweigt Professor Michael (… von der Treppe habe ich nichts gewusst…) Schreckenberg. Der beglückte uns in den ersten Tagen nach dem Unglück -zwecks Folgeaufträgen und Deutungshoheit in den Medien?- sogar mit seiner Handynummer auf der Webseite. Jetzt schweigen sie alle, obwohl die ermittelnde Staatsanwaltschaft bisher keinen dringenden Tatverdacht gegen einzelne feststellt und “gegen unbekannt” ermittelt.

Ganze Institutionen haben sich dasohne meinen Anwalt sag ich gar nichts, zu eigen gemacht. Für ein strafrechtlich involviertes Individuum mag das die richtige Verteidigungsstrategie sein. Für eine Stadt, ihre Verwaltung und ihre Bürger ist es eine (weitere) Katastrophe.

Schallers Livesendung

Ähnlich verhalten sich Loveparade Retter und MuckiBuden Discounter Rainer Schaller sowie sein Public Relations Wizzard Björn Köllen. Die Marke “Loveparade hatten die beiden ja schon auf besagter Pressekonferenz gekillt.  Wenn ich einen PR-Tip geben darf: Schaller als Ikone zurückziehen und durch einen “brutalst möglichen Aufklärer” ersetzen.

Schaller und Köllen brauchen vielleicht auch nichts mehr zu reden, haben genug gesagt und gelogen. Zum Beispiel in diesem Livekommentar zum Tod auf der Rampe. Zugegeben: in die WDR Kameras lügt nur Rainer Schaller, der beherrscht das wie kein zweiter. Die Kulisse, das Backgrounddesign allerdings trägt deutlich Köllens Handschrift. Dass dürfte er nicht ohne einen PR  “spin” und einen guten Draht zu den WDR Verantwortlichen geklappt haben. Jedenfalls: während Schaller unhinterfragt über “… Floats, die die Leute reinziehen und die Leute schön auf dem Gelände verteilen…” schwätzt, steht da sein eigener McFit / Bild.de LKW als Hintergrund. Und die WDR Kamera schwenkt ihn ab: von Führerhaus bis Heck, mehrfach hin und her. So  können sich Marken besser ins Unterbewusste brennen. Dieser McFit Float zieht niemand aufs Gelände, verteilt auch nicht, schon gar nicht: “schön”. Der wird für andere Zwecke gebraucht und blockiert die Floatstrecke.

McFit blockiert auch alle anderen Floats auf dem Rundkurs. So verstärkt sich Rückstau, so löst man den nicht auf.  Keine Sternstunde des öffentlich rechtlichen Rundfunks. Immerhin: sieht man mal vom plump vertraulichen “Du” und “der Rainer Schaller”ab,  geht die Anmoderation von Thomas Bug in Ordnung:

…der Mann, der das
ganze hier”verbrochen” hat…


Wenige Minuten nach dieser Werbesendung des Veranstalters werden die ersten Toten gemeldet.

Update 15. August 2010:

Der Mc Fit LKW stand bereits 45 Minuten vor dem Interview:
und mit ihm alle anderen Floats…
Die neueste Analyse dazu auf Docunews.org

Crowd-Manager: wenig professionell

Der Crowd-Manager aus dem SPIEGEL beherrscht die Nachrichten zur Loveparade Duisburg Wenn das Outing des Crowd-Managers der Loveparade eine PR Strategie war, dann geht sie gerade auf. Das “Versagen der Polizei”, die einen schlecht ausgerüsteten mit wenig Befugnissen ausgestatteten Beamten dem Crowd-Manager an die Seite stellte, beherrscht zur Zeit die Nachrichtenlage der SPIEGEL Vorabmeldungen.

Die uns interessierenden Fragen stehen im vorigen Beitrag dieses Blogs: “Prinzip Schleuse” .
Zwei Fragen kommen hinzu.
Doch erst mal dank an meinen Sohn. Der hat geahnt, dass es bei Crowd Management nicht, oder jedenfalls nicht nur um eine hippe Berufsbezeichnung vielmehr um ein professionelles Profil geht. Deshalb schiebe ich eine Frage für die Nachfragenden Kolleginnen und natürlich den Crowd Manager nach.:

  • an welchen Ausbildungen und Schulungen hatte der CrowdManager vor seinem Einsatz bei der Loveparade Duisburg teilgenommen?
    Welche vergleichbaren Veranstaltungen hatte er in Sachen Crowd gemanagt.
  • kennt er die Präsentation von Ralf Zimme “Publikumsschutz auf Veranstaltungen” (s.u)

Richtig fest definiert scheint der Begriff Crowd-Manager und Crowd management nicht zu sein.
Als erstes deutschsprachiges Link auf Google eine Seite von wissenswerk.net.

Ausgebildete Crowd-Manager deutscher Zunge finde ich hauptsächlich für den Bereich der Seefahrt insbesondere auf Kreuzfahrtschiffen:

Das Basic Safety und Crowd Management
Training nach STCW 95

Alle Personen die an Bord eines Seeschiffes angestellt sind, müssen dieses Trainig absolviert haben. Das Zeugniss nach STCW 95 ist beim Einsatz an Bord mitzuführen, um es bei Hafen- bzw. Flaggenstaatenkontrollen vorlegen zu können. Zu den Trainingsinhalten gehören im wesentlichen:

  • • Überleben in Notfällen auf See
  • • Brandschutz und – bekämpfung
  • • Erste Hilfe
  • • Ersteinweisung in das Sicherheitssystem an Bord
  • • Passagiersicherheit
  • • Umgang mit Menschenmengen in Notfällen

Quelle

Ein Buchtitel bei Amazon zeigt Crowd-Manager als spezielle Funktionspersonen neben den normalen Ordnern eines Konzertes.

Crowd-Manager eine kompakte Einführung

Und dann ein fast unglaublicher Fund:
Ralf Zimme, Leiter Veranstaltungstechnik  der Esprit Arena Düsseldorf zu
Publikumsschutz auf Veranstaltungen
DiesePräsentation t liest sich so ungefähr wie das “How is How”, dessen was man bei der Loveparade in Duisburg nicht geleistet und wohl auch nicht bearbeitet hat:

  • systematisches planen und überwachen einer geordneten Bewegung und Aufstellung von Menschen.
  • die Ermittlung erwarteter Zuschauerdichten, daraus resultierender angemessener Ein- und Auslasskapazitäten sowie darauf abgestimmte Prozesse wie Ticketkontrolle oder Vorcheck.
  • die Kenntnis über zu erwartendes Verhalten bzw. zu erwartende Aktivitäten der Besuchergruppen.

Zimme schließt mit einem Forderungskatalog, da könnte ich heulen.
Ich fürchte unser Psychologen Crowd Übermensch hat nicht einmal diese kleine Präsentation gelesen. Sonst  hätte er gesehen, dass sein Job als Schleusenwärter im Container mit professionellem Crowd Management nichts gemein hat.
Und: (hoffentlich) darauf  verzichtet.

Mehr zum Crowd-Manager in “Prinzip Schleuse”…

Der SPIEGEL von Montag kommt als E-paper immer schon am Samstag Abend um 22:00 heraus. Da ich weiß mit welchem Recherche- und Dokumentations­apparat die Kolleginnen dort arbeiten (können), warte ich gerne ab, was dort bereits bekannt ist und welche Themen aufgegriffen werden, bevor ich selbst weiter in die Tiefe steiige. Werde also im Folgenden versuchen, einige bisher (mir) nicht bekannten Fakten zu gliedern und hier einzustellen. Dabei bleibe ich bei den bisher gesetzten Schwerpunkten:

  • Blick auf die Organisations- und Planungsstrukturen für den Bereich Sicherheit, insbesondere beim Veranstalter Lopavent GmbH, der Stadt Duisburg und der Polizei.
  • Sicherheitskonzept der Loveparade, insbesondere Wegekonzept auf dem Hintergrundder “gehypten”, real geplanten und der tatsächlich einge­tretenen Besucherzahlen.

Sicherheit auf der Loveparade Duisburg

Wenn im Folgenden nicht anders angegeben, beziehen sich alle Fakten und Zitate auf den erwähnten SPIEGEL (31 / 2010). Wir erfahren, dass es eine Veranstaltungsbeschreibung der Lopavent vom 16. Juli 2010 für die  Love­parade in Duisburg gibt. Darin wird die kleine Rampe ausschliesslich als Aus­gang ausgewiesen. Wir kennen jetzt auch die Maße der Hauptrampe:
26 Meter breit
und 130 Meter lang: Zitat aus der Beschreibung der Veranstal­tung durch Lopavent: “Der breite, mittlere Zugang wird sowohl als Ein- wie auch als Ausgang genutzt”.

In zurückliegenden Beiträgen hier auf  ”Triumph and Disaster”  haben wir die “Wegekonzeption” als Teil des Sicherheitskonzeptes von Stadt und Lopavent beschrieben. Jedenfalls sofern sie sich uns aus vorliegenden Plänen erschloss. Wir haben auch versucht, die Widersprüche und Veränderungen in diesen Plänen darzustellen.  Nach diesen zitierten Plänen waren wir vom Begriff der “Einbahnstrassen” mit möglichst kreuzungsfreien, voneinander getrennten Richtungsfahrbahnen ausgegangen.

Diese Sichtweise müssen wir jetzt, jedenfalls ab der Passage der Vereinzelungs­anlagen und dem Betreten des Veranstaltungsgeländes der Love­parade Duisburg korrigieren. Dies nicht unbedingt für Planung und Pläne in jedem Fall aber für die Realität am Veranstaltungstag der Loveparade, Samstag dem 24. Juni 2010.

Wir waren urban und auf städtische Strassen fixiert. Das von Lopavent praktizierte Verkehrsmodell stammt aber aus der (Binnen(schiffahrt):

Prinzip Schleuse!

Dazu passend appostrophieren die SPIEGEL KollegInnen den jetzt (neu) eingeführten Lopavent-Mitarbeiter als “Schleusenwärter“. Im hippen Crew-English der Loveparade trägt er die Berufsbezeichnung “CrowdManager“. Diesen “Manager der Massen” führt der SPIEGEL nach einem Zitat von Dirk Oberhagemann ein. Der validiert für das Bundesforschungsministerium “Risiken bei Grossveranstaltungen“. Nachdem Lopavent ihn nicht in die Nähe der Rampe ließ, filmt Oberhagemann von ziemlich weit weg: dem 14. Stock eines Hochhauses. (Nicht ganz klar ist mir ob es das gleiche (Hoist) Gebäude ist, in dem die Pressesprecher im 17. Stock sitzen. Das Video zum Bezug des Pressezentrums und damit zu Oberhagemanns möglichem Blick aufs Gelände ist hier: “Noch 1Tag: Blick auf das Loveparade Gelände vorletztes Video auf der Seite.

Jetzt aber zu nächsten Akt: Zitat Oberhagemann und Auftritt CrowdManager / Schleusenwärter:
“Man hätte niemals zulassen dürfen, dass der eine Weg als Zu- und Abgang genommen wird, das Ganze konnte ja nicht gut gehen.”

“Damit es trotzdem gutgeht, dafür saß um diese Uhrzeit (11:00 Uhr L.E.) schon der Crowd-Manager in seinem Container. Der Mann ist Psychologe, ein Experte für Extremsituationen, an diesem Tag aber musste er im Auftrag der Lopavent eher so etwas wie ein Schleusenwärter sein. Ein virtuoser Schleusenwärter, einer, der sich keinen Fehler erlauben darf. Und neben ihm im Container: ein Verbindungsbeamter der Polizei. Zu zweit schauten sie auf ihre Monitore. Sie konnten sich die Bilder von 16 Kameras ansehen, sie hatten beide Zugänge im Blick, Osttunnel, Westtunnel, die Ausgänge aus den Tunneln auf die Rampe, die Rampe selbst, einfach alles.

Von hier aus sollte der Crowd-Manager den Strom der Raver steuern, sollte Anweisungen geben, wann die Security-Kräfte und notfalls auch Polizisten eine Schleuse schließen mussten, damit nicht zu viele Besucher in den Tunnel drängten, und wann die Schleusen wieder aufgehen konnten.

Seine wohl schwierigste Aufgabe bestand aber darin, Raver aus dem Gelände herauszulassen, solange andere noch zu Tausenden hineindrängten. Dazu hätte er immer mal wieder stoßweise den Fluss an einer Schleuse drosseln müssen. So wäre es leerer geworden, wäre Platz geblieben für den Gegenverkehr der Abwanderer. Doch gleichzeitig verlängerte der Crowd-Manager damit natürlich auch den Stau vor den Eingangsschleusen. Ein Dilemma – und bei Hunderttausenden Besuchern eine schier übermenschliche Aufgabe.

Das in der Darstellung des CrowdManagers eingeführte “Prinzip Schleuse” scheint -man mag es kaum glauben- für Tunnel und Rampe die einzige Wegeplanung der Sicherheitskonzeption zur Loveparade Duisburg gewesen zu sein. Jedenfalls die einzige, die ein zentraler Funktionsträger des Veranstalters kennt.

Nun ist dieses Prinzip aber leider gar keine Planung und schon gar kein Konzept. Vielmehr handelt es sich um blosse Beschreibung von Funktion und Delegation. Die Lopavent GmbH hat also -es sei denn wir lesen demnächst sehen bald andere Dokumente, - Verantwortung und Steuerung für die “Crowd” an dieser zentralen Stelle ohne Konzeption und Planung an einen einzelnen Mitarbeiter, den CrowdManager delegiert. Der soll das konzeptionell nicht beschriebene auf dem Gelände nicht abgebildete Wegekonzept schon richten. Der Psychologe für Extremsituationen hat aber offensichtlich als er den Job übernahm geglaubt es schon richten zu können. Wie wir jetzt wissen, konnte er nicht. Und verabschiedet sich  gegen 16:00 Uhr aus dem Job, jedenfalls nach Darstellung des SPIEGEL:   “ Um 16:00 so meint der CrowdManager habe er dann alles der Polizei übergeben und die das Commando übernommen.”

Dann hören wir noch, daß die Polizei das anders sieht. Den Blick aus den 16 Kameras schauen wir uns aber besser live am Sonntag Abend an.  Jedenfalls: die Funktion der Zugangssteuerung hat die Loveparade Orga damit bereits um 16:00 abgegeben. Fragt sich nur ob davon der Krisenstab etwas mitbekommen hat.

Damit komme ich zu einer unvollständigen Liste offener Fragen auch nach SPIEGEL Lektüre:

  • handelte der CrowdManager auf der Grundlage von schriftlichen sowie mit den anderen Stellen abgestimmten Konzepten? Oder gabe es die nicht und wollte die keiner? Weil das abstrakte anwesend sein von Pushern und CrowdManager schon das ganze “abgenickte” Konzept war.
  • Dabei insbesondere:
    Gab es ein Wegekonzept oder auchnur ein  Strömungskonzept, im Sinne einer Antizipation von “Wenn –> Dann” über das was wir lesen hinaus?
    Oder:
    endete das auf allen Lageplänen für Besucher verzeichnete Prinzip “Einbahnstrasse” am ersten Tunnel zugunsten des “Prinzips Schleuse”?
  • wie war der “CrowdManager” im Container in eine Gesamtsecurity bei Lopavent eingebunden?
    Gab es die?
    Wo sass sie?
    Hatte die einen direkten Draht zum Krisenstab und Rechtsdezernent Rabe?
    oder:
    war der Crowd Manager ab Start des Events auch Security-Chef von Lopavent?
  • Welches Personal stand dem Crowd Manager zur Verfügung. In welche Gruppen war es eingeteilt? Wie Waren die Führungspositionen dieser Gruppen organisiert, wie technisch angebunden?
    Hatte man Übungen gemacht?
    Wann? Wie lange? Alleine? Mit der Polizei zusammen?
    Wann sind die Securityleute zur Arbeit angetreten?
    Morgens um 7 oder einige Tage vorher?
    Wie wurden sie eingewiesen und geschult?
  • Ging nur bei der Polizei im Funkverkehr einiges schief? Privat organisiert klappte alles bis 16:00 UHR?
  • wie viele seiner 16 Kameras konnten CrowdManager und Verbindungspolizist im doch sehr beengten Container gleichzeitig sehen?
    Wieviele Monitore waren da?
    Hatte man wenigsten eine “Bildregie”?
    oder:
    hat der Psychologe auch noch den Bildmischer bedient und die Kameras gesteuert?
  • Konnte jemand auf dem Gelände (aus der Hauptbühne und allen Floats Sicherheitsdurchsagen machen? Wer? Wo? Wie? Der Crowd Manager? Sein Security Vorgesetzter bei Lopavent? Die Musikregie? Niemand?
  • Wenn sie denn im Konzept eine Funktion als Ausgang hatte:
    Warum war die zweite Rampe nicht von innen beschildert?
  • Ist irgendetwas von dem, was da gehandelt werden sollte, auch geübt bzw. simuliert worden?
    Mit den Schnittstellen zu Polizei, Sicherheitszentrale (so es sie denn gibt), und Krisenstab?

Bewertung:

Für mich kommt es entscheidend darauf an, ob der Crowd managende Psychologe seinen SPIEGEL Auftritt in Abstimmung mit Lopavent, McFit, also Rainer Schaller, Björn Köllen, als  Management und Öffentlichkeitsarbeit und der Organisation bei Lopavent gemacht hat.
Bisher kann ich diese Frage nicht wirklich beantworten. Einiges spricht dafür. Wir werden es daran erkennen ob die o.g. und viele andere Fragen durch ihn oder auch überhaupt beantwortet werden?
Wenn sein Auftritt abgestimmt ist, wäre CrowdWizzard, das Bauernopfer mit geringer Schuld. Denn dass was er beschreibt, wäre ja als Konzept von Wissenschaft (Schreckenberg) und Recht- und Ordnung (Rabe) abgenickt worden. Mit der (gelungenen) Rückgabe der Verantwortung vom privaten in den öffentlichen Raum um 16:00 Uhr wären dann alle Schreibtischtäter bei Lopavent / McFit und ihren Zulieferern fein raus.
Schauen wir also  genau hin, ob wir den Crowd managenden Psychologen bei Kerner, Jauch, Will, etc widersehen, er sich vielleicht sogar hier meldet.

Oder eben auch nicht…

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