Ignaz Kirchner gehört zu meinen Lieblingsschauspielern. Genauer: er ist mein liebster Schauspieler. Seine Dramtisierung von Wilhelm Reichs “Rede an den Kleinen Mann” hat mich verändert. Als Pozzo in Becketts “Warten auf Godot” steht er zur Zeit auf der Bühne des Wiener Burgtheaters. Gestern gibt Kirchner ein Interview in “Die Presse”. Darin das folgende Zitat von Samuel Beckett
„Alles seit je. Nie was anderes. Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.“
“All of old. Nothing else ever. Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.”
(„Worstward Ho“, 1983,)
Kichner fährt fort: “Das ist nicht nur ein Lieblingssatz von mir, sondern auch von George Tabori.” Taboris Inszenierung von Becketts Godot habe ich am Berliner Ensemble gesehen. Sehr heiter!.
Sie wird noch gespielt dort. Ignaz Kirchners Beckett Zitat passt zum Titel dieses Blogs aus Rudyard Kiplings “if”:
If you can meet with Triumph and Disaster
And treat those two impostors just the same.
If you can bear to hear the truth you’ve spoken
Twisted by knaves to make a trap for fools,
Or watch the things you gave your life to, broken,
And stoop and build’em up with worn-out tools;
If you can make one heap of all your winnings
And risk it on one turn of pitch-and-toss,
And lose, and start again at your beginnings,
And never breathe a word about your loss
…gestern Abend zu den einstürzenden Dominosteinen in Berlin. Fünf Stunden Kino in Bonn auf Einladung der Gruppe Georg Elser. Fünf Stunden Kino von 20 Uhr bis ein Uhr morgens: Tsahal von Claude Lanzmann. Ein erhellendes Stück Kino ein Blick auf Israels Armee vor 15 Jahren: mit Staabschefs die später Premierminister und Verteidigungsminister wurden, und möglicherweise einige ihrer differenzierten Beiträg damals vor Lanzmanns Kamera inzwischen vergessen haben.
Derweil in Berlin: Politik als Inszenierung…. Hier ein Blick auf die Proben:
Wenn es um Cover Versionen von Leonard Cohen Songs geht, bin ich extrem kritisch. Gestern abend habe ich mich live beim Jazz Festival in Neuwied über ein Cohen Cover extrem gefreut. Susanna and the Magical Orchestra wählten “Hallelujah” von Cohen als (einzige) Zugabe:
Susanna and the Magical Orchestra with a cover of Leonard Cohens famous song: Hallelujah. Heard it live yesterday at the Neuwied Jazz Festival.
Meine eigenen musikalischen Fähigkeiten gingen über “dilletante” nie hinaus. Wenn überhaupt: Stimme und percussion. Gestern abend hatte ich Gelegenheit den Meister zusehen. Trilok Gurtu wird in Zukunft zu den Künstlern gehören, für die ich einen Tag anreisen werde um ihn zu hören. Gurtu spielt zur Zeit die percussions in der Jan Garbarek Group und gestern abend war zum 32 mal “Jazzfestival Neuwied”.
Das Konzert gestern stand ausserdem unter dem Motto “40 Jahre ECM”. Noch länger als “Jazz Neuwied” bietet diese Ausnahmelabel zeitgenössischen Künstlern eine Plattform für ihre Music. Hier die Herren Garbarek uhnd Gurtu deutlich jünger mit Shankar und Zakir Hussain.
Trilok Gurtu spielt auch mit jüngeren Musikern in seiner “Trilok Gurtu Band”. Hier in Sines (Portugal) 2007:
Und noch ein wenig Geschichte / Theorie (auch schon über 10 Jahre alt / mit italienischen Einsprengseln):
Vor 70 Jahren, am 8.November 1939 detonierte die Bombe im Bürgerbräukeller. 30 Nächte lang hatte Georg Elser sich dort einschliessen lassen, die tragende Säule ausgehöhlt und mit Sprengstoff vollgestopft. Adolf Hitler verliess den Saal 20 Minuten vor der Detonation. Zu diesem Zeitpunkt war Elser bereits beim Versuch über die Schweizer Grenze zu kommen, verhaftetworden.
GeorgElser, ein einsamer Held zwischen allen Fronten.
Am 11. November 1939 bekundet die Sowjetunion gegenüber dem deutschen Botschafter in Moskau Friedrich-Werner von Schulenburg “ihr Bedauern und ihre Entrüstung über den ruchlosen Anschlag von München, ihre Freude über die glückliche Errettung Adolf Hitlers aus der Lebensgefahr und ihr Beileid für die Opfer des Attentats” aus.
Einen Monat vor Kriegsende, am 9. April 1945 wird Georg Elser im KZ Dachau auf Befehl Adolf Hitlers von einem SS-Aufseher durch Genickschuss ermordet.
Ein erhellendes Gespräch in Deutschland Radio Kultur mit dem Elser Biograph Hellmut G. Haasis.
Georg Elser (rechts) mit seiner Freundin Mathilde Niedermann und seinem jüngeren Bruder Leonhard auf der Insel Mainau (Bodensee), um 1929