Aug 27 2010

Loveparade: Lautsprecherdurchsagen waren unmöglich…

Published by at 15:17 under Loveparade Duisburg

Gerade haben wir auf unserer Analyse- und Nachrichtenseite DocuNews.org eine Recherche zu der auf dem Gelände der Loveparade fehlenden
abgeschlossen. Die Zusammenfassung folgt hier auf “Triumph and Disaster” bei DocuNews.org: die ausführliche Analyse…

27. August 2010:
Loveparade Duisburg:

Wo war die Lautsprecheranlage?

Die in der Brandschutz- und Evakuierungskonzeption für die Duisburger Loveparade vorgesehene Lautsprecheranlage zur Besuchersteuerung scheint weder geplant noch gebaut, in jedem Fall aber nicht genutzt worden zu sein. Dadurch fehlte auf der Loveparade am 24 Juni 2010 ein entscheidende Voraussetzung um eine Massenpanik unter den zusammengepferchten Besuchern zu verhindern. Dies ergibt sich aus einer gerade veröffentlichte Analyse von Lothar Evers auf dem Rechercheportal docunews.org.

Das Bauamt der Stadt Duisburg verlangte eine “Darstellung der Elektro-akustischen Alarmierungsanlage (ELA-Anlage)” bereits in einem Schreiben vom 14. Juni an die Lopavent GmbH als Veranstalter der Loveparade. Auch das Brandschutzkonzept für die Loveparade von Dr. Rainer Jaspers und Öko Tec Fire & Risk beschreibt die Notwendigkeit einer solchen ELA-Anlage:

Auf dem gesamten Veranstaltungsgelände ist eine Lautsprecheranlage vorhanden, die an die mobile Ersatzstromversorgung angeschlossen ist.” Diese wollte man zur “Information der Besucher über das Brand- oder sonstige Ereignis und über die zu ergreifenden Massnahmen” nutzen, so “dass die Entfluchtung über das Veranstaltungsgelände aufgrund der Sicherungsmassnahmen durch Sicherheitspersonal sowie die Kameraüberwachung des gesamten Geländes und den Möglichkeiten zur Alarmierung über die Lautsprecheranlage, nachhaltig gesichert werden kann.”

Lothar Evers fasst seine Analyse wie folgt zusammen:
“Der Veranstalter der Loveparade konnte das Gelände und den Eingang der Loveparade mit siebzehn Kameras jederzeit und bis in den letzten Winkel einsehen. Der Stau auf der Rampe und in den Tunneln entwickelte sich über mindestens zwei Stunden bevor es zur Katastrophe kam. Dieser Stau und die sich daraus ergebende Panik hätte sich mit grösster Wahrscheinlichkeit auflösen lassen, hätte man die Besucher mit klar verständlichen Lautsprecheransagen auf freie Regionen des Veranstaltungsgeländes verteilt. Selbst in den kritischen späten Phasen einer extremen Menschenverdichtung wäre eine Warnung z.B. vor der Treppe wahrscheinlich lebensrettend gewesen.

Wir haben alle öffentlichen und einige zusätzlich Planungsunterlagen sowie die Veranstaltungs und Sicherheitskonzepte der Loveparade ausführlich studiert. Den Plänen kann man sonst jedes Detail, z.B. die Ausstrahlung eines einzelnen Scheinwerfers, entnehmen. Weder eine ELA-Zentrale noch einzelne Lautsprecher sind dort eingetragen. Auch im Sicherheitskonzept des Veranstalters vom wird eine Lautsprecheranlage und Durchsagen an die Besucher nicht erwähnt. Dieses Sicherheitskonzept stammt vom 28.Juni 2010 und ist einen Tag vor der Loveparade, nämlich am 23 Juli, als Teil der Bewilligung durch das Duisburger Bauamtes gezeichnet und gestempelt worden.

Dem Brandschutzexperten Rainer Jaspers scheint ein anderes, möglicherweise erweitertes, in jedem Fall aber aktuelleres Sicherheitskonzept vor. Er gibt als Datum dieses “Veranstaltungskonzeptes Sicherheit” den 12. Juli 2010 an. Leider hat sich Dr. Jaspers geweigert uns dieses Sicherheitskonzept zur Verfügung zu stellen. So konnten wir es nicht mit dem älteren Konzept der Bewilligung vergleichen.
Es ist jedoch schwer vorstellbar, wenn auch nicht völlig auszuschliessen, dass ein renommierter Experte wie Dr. Jaspers Elemente eines Sicherheitskonzeptes referiert, die in der ihm vorliegenden Fassung gar nicht erwähnt werden.

Wenn Lopavent als Auftraggeber von Dr Jaspers und Öko Tec Fire und Risk extra für diesen Zweck ein neues um eine ELA Anlage erweitertes Konzept gefertigt hat, diese aber weder aktualisierend beim Bauamt einricht noch die Anlage baut, so ist das in jedem Fall eine ungeheuerliche Täuschung.

Fazit:

Sollte das Bauamt tatsächlich eine von ihm selbst geforderte und für das Brandschutz- und Evakuierungskonzept konstitutive Lautsprecheranlage, bei der Bauabnahme vergessen und übersehen haben, wäre eine Suspendierung aller daran beteiligten oder davon wissenden MitarbeiterInnen überfällig.

Sollte es, trotz aller dagegen sprechenden Fakten, auf dem Gelände der Loveparade Duisburg eine ELA Anlage gegeben haben, wäre deren nicht Nutzung durch die Veranstalter ein Verbrechen.

Die ausführliche Analyse:
http://docunews.org/loveparade/analyse/wo-waren-die-lautsprecher/

Alle Zitate aus:
Anlagen zum Zwischenbericht der Stadt Duisburg zur Loveparade

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