Feb 12 2008

…dass überhaupt nichts hilft…

Published by Lothar Evers at 11:00 under Literatur

Nach Me-ti von Bertolt Brecht habe ich ein weiteres mich damals sehr berührendes Buch erneut zu lesen begonnen : “Fabian” von Erich Kästner. Eigentlich erinnerte ich von “Fabian” nur noch den Schluss. Moralist Fabian springt einem ertrinkenden Jungen hinterher: “
Der kleine Junge schwamm heulend ans Ufer. Fabian ertrank. Er konnte nicht schwimmen.

Das Buch liegt jetzt bei der Büchergilde Gutenberg in einer von Frank Witzel wunderbar illustrierten Neuauflage vor.

1931 ist “Fabian” das erste Mal erschienen. Das Buch beschreibt präzise, wenn auch ironisch verzerrt die fiebrige Atmosphäre im präfaschistischen Berlin dieser Jahre. Kästner hatte als ursprünglichen Titel des Buches “Der Gang vor die Hunde” vorgesehen, sich damit aber beim Erstverleger nicht durchsetzen können. Den Auflagen nach 1945 hat er ein Vorwort vorangestellt:

Und auch die unheimliche Ruhe vor dem Sturm fehlte nicht - die einer epidemischen Lähmung gleichende Trägheit der Herzen. Es trieb manche, sich der Stille entgegen zu stellen. Sie wurden beiseite geschoben. Lieber hörte man den Jahrmarktschreiern und Trommlern zu, die ihre Senfpflaster und giftigen Patentlösungen anpriesen. Man lief den Rattenfängern nach, hinein in den Abgrund. (…) Dass überhaupt nichts hilft, ist - damals wie heute - keine Seltenheit. Eine Seltenheit wäre es allerdings, wenn das den Moralisten entmutigte. Sein angestammter Platz ist und bleibt der verlorene Posten. Ihn füllt er, so gut er kann, aus.

Following Me-ti by Bertolt Brecht I started rereading “Fabian” by Erich Kästner: story of a moralist in Berlin in the early 30s of the last century. The quote is from Kästners preface when reissuing the book after 1945.

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