Zentrifugal

Am 21. April habe ich ich hier meine Anmerkungen zum Hungertod von Sascha K. in Speyer veröffentlicht: “Tod eines Kunden…” .

Saschas einsamer Tod in Speyer verweist jenseits aller Sensationsgier und Empörung auf den gefährlichen Strukturwandel nach Hartz IV: die Kommunen sind froh, ihre arbeitsfähigen Sozialhilfeempfänger an die Arbeitsverwaltung abspielen zu können. Diese regelt Kundenbeziehungen mit denjenigen, die stark und leistungsfähig genug sind, im bürokratischen Zirkus nach Hartz IV durchzuhalten.

Bei diesem Scenario gibt es einen grossen Verlierer: diejenigen, die diesem Spiel nicht gewachsen sind. Für sie gabe es früher ein Rückfahrticket in die Welt der Fürsorge. Rechtlich ist die Sozialhilfe auch heute für sie zuständig. Zuständig für diese Rückkehr aus der Sackgasse fühlt sich dafür, nicht nur in Speyer: niemand.
Tutto a posto, niente in ordine!”.

Zum gleichen Ergebnis kommt Klaus Dörner in seinem neuen Buch “Leben und Sterben, wo ich hingehöre; Dritter Sozialraum und neues Hilfesystem”:

An der Umorganisation der Arbeitsverwaltung können wir studieren, wie bisherige Vorstellungen des Standes- oder Klassen- Staats, wo zwischen “oben” und “unten” unterschieden wird, dabei aber fürsorge-staatlich niemand verloren gehen kann, ersetzt werden durch Ordnungsvorstellungen, die zwischen “drinnen” und “draussen” unterscheiden, als ob es sich bei der Gesellschaft um eine Zentrifuge handele, deren mal schnellere, mal langsamere Umdrehungen unterscheiden zwischen den Etablierten (“Inklusion”), der immer prekären Lage der Randgruppen, und den dann systemlogisch immer auch notwendigen Ausgeschlossenen, Ausgegrenzten, Überflüssigen, die im sozialen Niemandsland oder auch Feindesland leben(…).

Leben und sterben, wo ich hingehöre. Dritter Sozialraum und neues Hilfesystem


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