Jun 09 2007

C.I.R.C.A

Published by Lothar Evers at 10:55 under ...in the News

We need you for C.I.R.C.A.s Clowns Army

Das meiste was wir in Heiligendamm zu sehen bekamen liess sich leicht vorhersagen:

  • die Arroganz der Macht
  • spektakuläre Stunts vor laufender Fernsehkamera von Greenpeace
  • die obligatorischen open air Konzerte gegen den Hunger
  • die militärischen Zusammenstösse zwischen Polizei und Schwarzen Blocks

Das hoffnungsvolle neue Element -jedenfalls für mich- waren die Clownbatanten von C.I.R.C.A. Diese Abkürzung steht für “Clandestine Insurgent Clowns Army“, was man in Deutsch am besten als “Klammheimliche Rebellen Clown Armee” übersetzen könnte. Hier erlebten wir eine organisierte, ja exerzierte Form der politischen Intervention bei gleichzeitig weitgehender Individualität der handelnden Subjekte. Klingt abstrakt, lässt sich aber gut an diesem kurzen Video studieren: Clowns zwischen Polizeisperre und schwarzem Block:
[youtube SN3gTTe_BHM]

Recherchiert man auf C.I.R.C.A.s website clownarmy.org bemerkt man sofort: diese Clowns sind alles andere als dumm. Da finden sich Zitate von Chogyam Trungpa Rimpoche neben denen von Dario Fo, Walter Benjamin spricht mit Abbie Hoffman. Mein Lieblingszitat stammt von Adrien Wettach, der Welt besser bekannt unter seinem Clownnamen, Grock:

Ich gehe erst raus auf die Bühne, wenn mein Panzer des Selbstschutzes von mir abgefallen ist. Dann bin ich aufnahmefähig wie eine Mimose. Dann gibt es einfach nichts mehr, was ich nicht spüre, nichts auf das ich nicht reagieren könnte.

Es ist lohnend tiefer in den politischen und philosophische Hintergrund von C.I.R.C.A. einzusteigen.Kolonel Klepto Auf der erwähnten Webseite finden sich einige ausführliche Artikel. u.a von Kolonel Klepto, den wir hier bei einem seiner Einsätze als Clownbatant sehen. Überhaupt sind die Clowns Meister des Wortspiels. Den Krieg in dem sie kämpfen ist der “War against Error“. Den Namen der Clownsarmee assoziieren sie wie folgt:

  • Clandestine: wir verweigern uns der Inszenierung von Prominenz;
  • Insurgent: wenn wir stolpern und stürzen, stehen wir gleich wieder auf, und wieder auf, und wieder auf;
  • Rebels: wir verweigern denen, die Macht horten und missbrauchen, unseren Gehorsam und desertieren von ihnen: für immer;
  • Clowns: wir können alles überleben und uns alles erlauben;
  • Army: nur eine Armee kann dem absurden Krieg den absurden Krieg erklären;

Zusammengefasst findet sich die Strategie in den Passagen des folgenden Textes, den man getrost als Manifest der Rebellenclowns verstehen kann:

C.I.R.C.A. ist keineswegs eine weitere Entschuldigung sich aufzutakeln und so Farbe und Lachen in die grauen Reihen der Protestbewegung zu bringen. Wir sind kein abgerissener Haufen von Aktivisten, mit Pappnasen, einem Klecks Schminke, Militärhosen und geschmacklosen Perücken. Wir sind eine hoch disziplinierte Armee best ausgebildeter Clowns, eine Miliz echter Narren, ein Battailon geborener Buffos. C.I.R.C.A.’s, Kämpfer spielen nicht Clowns, sie sind Clowns, echte Clowns. Clowns, die aus der blutleeren Sicherheit des Zirkus abgehauen sind, die ihre Zeit nicht länger auf banalen Kinderparties vergeuden. Diese Narren haben ihre Zepter weggeworfen, die Ketten, die sie an den Thron fesselten, gesprengt. C.I.R.C.A. macht Clown sein wieder gefährlich. Wir bringen die Narren zurück auf die Strasse, rekonstruieren ihren Ungehorsam und geben ihnen so ihre ursprüngliche soziale Funktion zurück: Gesellschaft zu stören, zu kritisieren und (dadurch) zu heilen. Wir sind genau das; circa:
ungefähr und ambivalent, weder hier noch dort, aber exakt am mächtigsten aller Orte, dazwischen: mittendrin zwischen Ordnung und Chaos.
Run away from the Circus!

Spielen Sie mit dem Gedanken, sich als Freiwilliger im “War against Error” zu engagieren? Hier ist das offizielle Rekrutierungsvideo:
[youtube t_jS3Wh8g6s]

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