Loveparade Duisburg: ratzeputz…

Nachtrag

Fürchte Duisburg Marketing ist ein Spielverderber, jedenfalls in Sachen Loveparade Duisburg. Oder sollte es sogar die Stabsabteilung unter OB Sauerland im Rathaus sein? Reicht wohl nicht die Webseiten in die Tonne zu kloppen. Jetzt müssen noch alle Videos hinterher. Als wäre die Loveparade nie in Duisburg gewesen. Aufklärung macht man anders, verehrte KollegInnen…

Mir jedenfalls will scheinen, keines der Videos auf dieser Seite läuft. Nur tiefe schwarze Löcher. Wir sind ja von den Duisburgern im kommunalen Umfeld so einiges gewöhnt. Ja, gerade bei den Marketing- und Kommunikationexperten wird gerne mal was heimlich entsorgt und weggeschmissen. Keine Sorge, wir haben die Videos, wie auch die Webseiten gesichert. Wir werden aber einen Teufel tun, uns jetzt von Euch auch noch copyright Verfahren an den Hals zu holen. Vielleicht später mal.

Lassen wir es also auf diesen Seiten bei den beredten schwarzen Löchern zur Loveparade Duisburg, präsentiert vom Amt für Kommunikation und Duisburg Marketing.
l.e. 5.8. 2010

Fragen eines
recherchierenden Arbeiters…

Die Loveparade Duisburg 2010 treibt mich weiter um. Das Recherchieren habe ich bei Gert Monheim gelernt:  “Lesen, noch mal lesen, genauer hinschauen, genauer lesen, anders lesen…” Diese Arbeit ist mühselig und wenig sensationell. Klar wäre es schön, jemand würde mir jetzt dsas “Sicherheits”konzept der Duisburger Loveparade zuspielen oder wenigstens: die Originalgenehmigung des Duisburger Bauamtes. Die liegt immerhin inzwischen dem SPIEGEL vor. Diese Genehmigung der Loveparade Duisburg verzichtet auf Feuerwehrpläne, Breite der Fluchtwege, und beschränkt die Besucherzahl auf 250.000. Wir Investigativen sind diskret und verstehen uns darauf Informanten zu schützen. Hier geht es zum Kontaktformular. Bis dahin hilft nur das Handwerkszeug: sammeln, lesen, hinschauen, möglichst abseits der ausgelaufenen Pfade.

Joint Venture Loveparade Duisburg…

Zunächst mal fällt auf wie eng mindestens Stadt und Veranstalter im Entstehen der Loveparade Duisburg 2010 kooperiert haben. Als Veranstalter der Loveparade 2010 fungieren mindestens zwei Firmen. Zunächst die Loveparade Berlin GmbH . Da ist McFit Inhaber Rainer Schaller seit 2006 Inhaber und wohl auch Geschäftsführer. Dann gibt es da noch die Lopavent  GmbH. Da tritt regelmässig Björn Köllen auf, der in Personalunion als Pressesprecher aller drei Firmen, also von  McFit, Lopavent GmbH und Loveparade GmbH zu sein scheint.

Loveparade Gmbh und Lopavent entsorgen gerade ihre Geschichte nicht nur zur Loveparade Duisburg, sondern komplett. Im Internet gibt es nur noch eine (identische) Titelseite:

Unser Anliegen, ein fröhliches Miteinander von Menschen durchzuführen, ist von den tragischen Unglücksfällen am 24.Juli 2010 überschattet worden. Daher beenden wir den Livestream zur Loveparade. Unser aufrichtiges Beileid gilt allen Angehörigen und unsere Gedanken sind bei denjenigen, die derzeit noch versorgt werden müssen. Die Stadt Duisburg hat eine Hotline eingerichtet, unter der sich besorgte Angehörige informieren können: 0203-94000

Der Rest der Webseiten ist vom Server geputzt:

Loveparade Duisburg nicht gefunden

Loveparade Duisburg Kooperationsvideos

“Wag the Dog, nennt man es man im Englischen, wenn der Hund mit dem Schwanz wedelt. So ähnlich scheint es zur Lovparade Duisburg 2010 zwischen Stadt und den Veranstaltern zugegangen zu sein. Die Stadt Duisburg richtet am 27 Mai auf youtube ein offizielles Videoportal “StadtDuisburg” ein. Auf einem der ersten Filme dort kann man das Gelände der Loveparade Duisburg im Rohbauzustand besichtigen. Musikalisch mit Rave unterlegt:

Wie es ausschaut, wenn Kommunalpolitik zu “Stadtmarketing” verkommt zeigt Duisburg Marketing Chef Uwe Gerste ein Video später: “Und dann wir es sicher ein hervorragendes Bild von Duisburg in der Welt geben…”:

Schliesslich ist das Gelände zur Loveparade Duisburg hergerichtet und bezogen. Bei der Stadt ist man sichtlich fasziniert. Und wer redet und gestaltet die Beiträge? Björn Köllen, Pressesprecher von  McFit/Lopavent und ein Kollege von der Technik, im Untertext zum Video kumpelhaft mit Vorname “Jochen” vorgestellt…

Und finally:
unter der Überschrift “Noch einmal schlafen, dann wummert es in Duisburg” eine Bericht aus dem “Adlerhorst” in dem die KollegInnen des Joint Ventures ihre “Hochsitze” für die Loveparade Duisburg eingenommen haben. Mit dabei: Frank Kopatschek, den Chef für Kommunikation in der Duisburger Stadt Verwaltung:

Der “Moderator” und Regisseur dieser Filme ist übrigens Klaus Peter Tomberg. Bei Duisburg Marketing als “Einsatzkoordinator” beschäftigt. Man beachte auch die Passende Musikauswahl mit Technogewummer einiger Videos.
Der spielt sichtlich gerne Fernsehen, und sei es nur auf youtube. Hier nach dem letzten Grossevent Still-Leben Ruhrschnellweg und eine Woche vor der Loveparade Duisburg: “Wenn wir heute in einer Woche so locker sind wie jetzt, dann ist die Loveparade gut gelaufen…dann wird es sicherlich ein bisschen spannender als hier heute.” Anschliessend bekommen wir dann das eigentümliche “Partylifter” Projekt zur Loveparade von Uwe Gerste, dem GF von Duisburg Marketing erklärt Und: dass auf dem Loveparade Gelände gar nix passieren kann.

Nächster Artikel Loveparade Duisburg 2010

Loveparade Duisburg: gleich um die Ecke,

Die Katastrophe “Loveparade Duisburg” fand gleich um die Ecke statt. In Duisburg arbeitet P. Nicht lange her, genau vor dem Rathaus, wo sich jetzt die Reporter aufbauen: einen Demo zu den Kürzungsplänen der Stadt (nicht nur) in der Jugendhilfe. Ganz begeistert war ich von dem (Co)Dicken Falken(?)funktionär, der so beschwingt zu “eine Insel mit drei Bergen” die Bässe hoch drehte,  und auf der LKW Bühne hopste. Dann im Regen zur S-Bahn gehetzt.

Loveparade Duisburg: zu eng, zu clever, zu dumm…

An der Spitze der Stadtverwaltung Duisburg steht Oberbürgermeister Adolf Sauerland. Auf der Webseite des OBs läuft sein “aktueller” Podcast:“Der ein oder andere tut so, als würde die Welt in Duisburg untergehen. Das ist nicht der Fall. Wir stehen jetzt kurz davor, dass die Tanztage in Duisburg eröffnet werden…
Na offensichtlich gab es da in der Stadtverwaltung schon vor der Loveparade Duisburg einen Stau Um präzise zu sein: seit dem 3. März 2010. Da entstand der “aktuelle Podcast”. By the way: ein Podcast ist das auch nicht, Herr Sauerland, eher eine Videobotschaft

Zurück zur Katastrophe Loveparade Duisburg

Vor zwei Jahren war E. in Dortmund bei der Loveparade mitten drin und alles andere als nüchtern. Ist aber gut nach Hause gekommen. Hat sich raus gequatscht, als  die Polizei sie in der Psychiatrie ablieferte. Seit einiger Zeit fallen sie mir regelmässiger auf, die jungen Damen auf den Bahnsteigen, sich vor dem Sturz in Freizeitvergnügen, mit grell bunten und wahrscheinlich zu süssen Likören einen Spiegel an trinkend.

“Nein, die Polizei hat keine Kameras vor Ort gehabt”, betont der stellvertretende Polizeipräsident von Duisburg von Schmeling, heute Mittag auf der Pressekonferenz zur Loveparade im Duisburger Rathaus. Die habe ich mir von Anfang bis Ende angetan, hier in der Eifelidylle.  Keiner der Beteiligten, stellt in groben Umrissen das allseitig abgesegnete “Sicherheits”konzept vor. Keiner scheint zu wissen, wie viele Menschen vor oder auf dem Gelände der Loveparade Duisburg gewesen sind. Die Angaben schwanken auch jetzt noch zwischen “der belastbarsten Zahl” 105.000, die Schmeling wohl aus den Ticketcomputern der Bahn gewonnen hat, 350.000 für die der Veranstaltungsort ausgelegt gewesen sei, und 1,4 Millionen mit denen Loveparade Geschäftsführer Rainer Schaller vor Beginn der Parade rechnete. Man darf auf das kommende Schweigen der Verantwortlichen angesichts dieser Diskrepanzen gespannt sein.

Loveparade Duisburg / Made in Germany…

Derweil erfahren wir aus dem Bussinessportrait der Deutschen Welle: schon die erste Businessidee von Schaller lebte von der ÜberFülle. Und: seine Autosammlung hat deutlich mehr Platz als der Millionär selbst unter der Woche in Berlin. Und die dortigen  Bildschirmarbeitsplätze erinnern auch an Legebatterie. Dabei ist der Schaller doch Franke und kein Schwabe…

“Made in Germany” heisst die Film Reihe der Deutschen Welle, der wir dieses Portrait “verdanken”. Mit kritischem Journalismus hat das wohl weniger zu tun.

Immer dabei: Björn Köllen, McFit Pressesprecher

Björn Köllen Pressesprecher Loveparade Duisburg 2010 und McFit

Am Anfang der Karriere: Björn Köllen, Pressesprecher Loveparade Duisburg und McFit...

Im Hintergrund des Films und in der gemeinsamen Wohnung kann man den Pressesprecher des Imperiums McFit / Loveparade Björn Köllen erkennen, der heute auf der Pressekonferenz zur Katastrophe auf der Loveparade Duisburg ebenfalls mit geschwiegen hat. Dabei hätte er viel zu erzählen. Schliesslich ist Björn Köllen seit vielen Jahren dabei, weiss also wie die Strippen zu ziehen sind. So hörte sich das ganze im Jahr 2007 an:

Wummernde Bässe, elektronisch hochfrequentes Gefiepe und halbnackte Menschen – München will sie: die Loveparade. Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) habe in einem persönlichen Schreiben sein Interesse an der Techno-Veranstaltung gezeigt, sagt Björn Köllen, Sprecher der Love-Parade. Darüber verhandelt werde bereits an diesem Freitag. Mitbewerber sind Leipzig sowie die Ruhrgebietsstädte Essen, Dortmund, Bochum, Duisburg und Gelsenkirchen. Der Ruhrpott bewirbt sich gemeinsam. Erhält er den Zuschlag, wird die Parade in den nächsten fünf Jahren jeweils einmal in jeder Stadt starten. Essen würde dann den Anfang machen. Die Veranstalter der Love-Parade hatten die Techno-Parade im Februar für Berlin abgesagt – weil sie keine Unterstützung vom Berliner Senat erhalten hätten. Danach boten sie die Liebesparade insgesamt 60 Städten an. Nicht daran interessiert waren unter anderem Köln und Stuttgart.
Süddeutsche Zeitung

Meine Heimatstadt Köln hatte dann eine andere Katastrophe. Die Metropole Ruhr bekam den Loveparade Zuschlag. Björn Köllen blieb Pressesprecher McFit und Loveparade Duisburg in Personalunion.

Nächster Beitrag zur Loveparade Duisburg (und auch zu Björn Köllen)…

Kirchner Beckett Scheitern

Ignaz Kirchner gehört zu meinen Lieblingsschauspielern. Genauer: er ist mein liebster Schauspieler. Seine Dramtisierung von Wilhelm Reichs “Rede an den Kleinen Mann” hat mich verändert. Als Pozzo in Becketts “Warten auf Godot” steht er zur Zeit auf der Bühne des Wiener Burgtheaters. Gestern gibt Kirchner ein Interview in “Die Presse”. Darin das folgende Zitat von Samuel Beckett

“Alles seit je. Nie was anderes. Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.”
“All of old. Nothing else ever. Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.”
(“Worstward Ho”, 1983,)

Kichner fährt fort: “Das ist nicht nur ein Lieblingssatz von mir, sondern auch von George Tabori.” Taboris Inszenierung von Becketts Godot habe ich am Berliner Ensemble gesehen. Sehr heiter!.
Sie wird noch gespielt dort. Ignaz Kirchners Beckett Zitat passt zum Titel dieses Blogs aus Rudyard Kiplings “if”:

If you can meet with Triumph and Disaster
And treat those two impostors just the same.
If you can bear to hear the truth you’ve spoken
Twisted by knaves to make a trap for fools,
Or watch the things you gave your life to, broken,
And stoop and build’em up with worn-out tools;

If you can make one heap of all your winnings
And risk it on one turn of pitch-and-toss,
And lose, and start again at your beginnings,
And never breathe a word about your loss

Hat jemand Lust mit nach Wien zu fahren?

Alternativprogramm…

…gestern Abend zu den einstürzenden Dominosteinen in Berlin. Fünf Stunden Kino in Bonn auf Einladung der Gruppe Georg Elser. Fünf Stunden Kino von 20 Uhr bis ein Uhr morgens: Tsahal von Claude Lanzmann. Ein erhellendes Stück Kino ein Blick auf Israels Armee vor 15 Jahren:  mit Staabschefs die später Premierminister und Verteidigungsminister wurden, und möglicherweise einige ihrer differenzierten Beiträg damals vor Lanzmanns Kamera inzwischen vergessen haben.

Derweil in Berlin: Politik als Inszenierung…. Hier ein Blick auf die Proben:

… den Hitler jag ich in die Luft…

Vor 70 Jahren, am 8.November 1939 detonierte die Bombe im Bürgerbräukeller. 30 Nächte lang hatte Georg Elser sich dort einschliessen lassen, die tragende Säule ausgehöhlt und mit Sprengstoff vollgestopft. Adolf Hitler verliess den Saal 20 Minuten vor der Detonation. Zu diesem Zeitpunkt war Elser bereits beim Versuch über die  Schweizer Grenze zu kommen, verhaftetworden.
GeorgElser, ein einsamer Held zwischen allen Fronten.
Am 11. November 1939 bekundet die Sowjetunion gegenüber dem deutschen Botschafter in Moskau Friedrich-Werner von Schulenburg “ihr Bedauern und ihre Entrüstung über den ruchlosen Anschlag von München, ihre Freude über die glückliche Errettung Adolf Hitlers aus der Lebensgefahr und ihr Beileid für die Opfer des Attentats” aus.
Einen Monat vor Kriegsende, am 9. April 1945  wird Georg Elser im KZ Dachau auf Befehl Adolf Hitlers von einem SS-Aufseher durch Genickschuss ermordet.

Ein erhellendes Gespräch in Deutschland Radio Kultur mit dem Elser Biograph Hellmut G. Haasis.
Georg Elser (rechts) mit seiner Freundin Mathilde Niedermann und seinem jüngeren Bruder Leonhard auf der Insel Mainau (Bodensee), um 1929

Georg Elser (rechts) mit seiner Freundin Mathilde Niedermann und seinem jüngeren Bruder Leonhard auf der Insel Mainau (Bodensee), um 1929

Dokumentation…

Lampedusa macht dicht…

Die Festung Europa wird hermetischer. Letztes Jahr sind über 25.00 Menschen, meist aus Afrika in Lampedusa gelandet. Nun wird die europäische Grenze an die afrikanischen Strände verlegt. Die 4000 Inselbewohner auf Lampedusa sind wieder unter sich. Berichtet der Deutschlandfunk heute morgen.

Mein Blick auf Lampedusa ist geprägt von einer Reportage Navid Kermanis. Hier ist sie als podcast “Das volle Boot“. Gedruckt gibt es sie in der ZEIT.

Unvergessen: das Ende jener Reportage, der O-Ton des französischen Kapitäns der Flüchtlinge rettet, statt Europa vor ihnen abzuriegeln:

Als ich nach Frontex frage, bricht es beinah aus ihm heraus:
- Wenn ich ein Holzboot mit 65 Menschen auf dem offenen Meer sehe, und ein
Sturm zieht herauf, dann ist mir Frontex scheissegal, dann denke ich nicht an
Immigration, an Papiere, an Zollbehörden. Dann rette ich sie, verdammt noch mal.
Für ihn als Kapitän, fährt er fort, um seinem kleinen Ausbruch eine Erklärung
beizugeben, stünde das Seerecht über etwaigen EU-Verordnungen, er dürfte also
gar nicht anders handeln.
- Sieht das jeder Kapitän so?, frage ich. Ihm ist sofort bewusst, dass ich auf
die Berichte über Frontex-Einsätze anspiele, bei denen die Soldaten in die
Schlauchboote stechen oder den Flüchtlingen das Wasser und die Nahrung
nehmen, um sie an der Weiterfahrt zu hindern.
- Ich bin mir sicher, sagte er, dass jedenfalls alle französischen Kapitäne genauso
gehandelt hätten, ausserdem hatte ich die Zustimmung meiner Einsatzleitung.
Ich bin mir sicher, dass er genauso gehandelt hätte auch ohne die Zustimmung
seiner Einsatzleitung.