Archive for the 'Triumph and Disaster....' Category

Dec 06 2009

Kirchner Beckett Scheitern

Ignaz Kirchner gehört zu meinen Lieblingsschauspielern. Genauer: er ist mein liebster Schauspieler. Seine Dramtisierung von Wilhelm Reichs “Rede an den Kleinen Mann” hat mich verändert. Als Pozzo in Becketts “Warten auf Godot” steht er zur Zeit auf der Bühne des Wiener Burgtheaters. Gestern gibt Kirchner ein Interview in “Die Presse”. Darin das folgende Zitat von Samuel Beckett

„Alles seit je. Nie was anderes. Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.“
“All of old. Nothing else ever. Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.”
(„Worstward Ho“, 1983,)

Kichner fährt fort: “Das ist nicht nur ein Lieblingssatz von mir, sondern auch von George Tabori.” Taboris Inszenierung von Becketts Godot habe ich am Berliner Ensemble gesehen. Sehr heiter!.
Sie wird noch gespielt dort. Ignaz Kirchners Beckett Zitat passt zum Titel dieses Blogs aus Rudyard Kiplings “if”:

If you can meet with Triumph and Disaster
And treat those two impostors just the same.
If you can bear to hear the truth you’ve spoken
Twisted by knaves to make a trap for fools,
Or watch the things you gave your life to, broken,
And stoop and build’em up with worn-out tools;

If you can make one heap of all your winnings
And risk it on one turn of pitch-and-toss,
And lose, and start again at your beginnings,
And never breathe a word about your loss

Hat jemand Lust mit nach Wien zu fahren?

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Nov 10 2009

Alternativprogramm…

…gestern Abend zu den einstürzenden Dominosteinen in Berlin. Fünf Stunden Kino in Bonn auf Einladung der Gruppe Georg Elser. Fünf Stunden Kino von 20 Uhr bis ein Uhr morgens: Tsahal von Claude Lanzmann. Ein erhellendes Stück Kino ein Blick auf Israels Armee vor 15 Jahren:  mit Staabschefs die später Premierminister und Verteidigungsminister wurden, und möglicherweise einige ihrer differenzierten Beiträg damals vor Lanzmanns Kamera inzwischen vergessen haben.

Derweil in Berlin: Politik als Inszenierung…. Hier ein Blick auf die Proben:

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Nov 06 2009

… den Hitler jag ich in die Luft…

Vor 70 Jahren, am 8.November 1939 detonierte die Bombe im Bürgerbräukeller. 30 Nächte lang hatte Georg Elser sich dort einschliessen lassen, die tragende Säule ausgehöhlt und mit Sprengstoff vollgestopft. Adolf Hitler verliess den Saal 20 Minuten vor der Detonation. Zu diesem Zeitpunkt war Elser bereits beim Versuch über die  Schweizer Grenze zu kommen, verhaftetworden.
GeorgElser, ein einsamer Held zwischen allen Fronten.
Am 11. November 1939 bekundet die Sowjetunion gegenüber dem deutschen Botschafter in Moskau Friedrich-Werner von Schulenburg “ihr Bedauern und ihre Entrüstung über den ruchlosen Anschlag von München, ihre Freude über die glückliche Errettung Adolf Hitlers aus der Lebensgefahr und ihr Beileid für die Opfer des Attentats” aus.
Einen Monat vor Kriegsende, am 9. April 1945  wird Georg Elser im KZ Dachau auf Befehl Adolf Hitlers von einem SS-Aufseher durch Genickschuss ermordet.

Ein erhellendes Gespräch in Deutschland Radio Kultur mit dem Elser Biograph Hellmut G. Haasis.
Georg Elser (rechts) mit seiner Freundin Mathilde Niedermann und seinem jüngeren Bruder Leonhard auf der Insel Mainau (Bodensee), um 1929

Georg Elser (rechts) mit seiner Freundin Mathilde Niedermann und seinem jüngeren Bruder Leonhard auf der Insel Mainau (Bodensee), um 1929

Dokumentation…

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Nov 02 2009

Lampedusa macht dicht…

Die Festung Europa wird hermetischer. Letztes Jahr sind über 25.00 Menschen, meist aus Afrika in Lampedusa gelandet. Nun wird die europäische Grenze an die afrikanischen Strände verlegt. Die 4000 Inselbewohner auf Lampedusa sind wieder unter sich. Berichtet der Deutschlandfunk heute morgen.

Mein Blick auf Lampedusa ist geprägt von einer Reportage Navid Kermanis. Hier ist sie als podcast “Das volle Boot“. Gedruckt gibt es sie in der ZEIT.

Unvergessen: das Ende jener Reportage, der O-Ton des französischen Kapitäns der Flüchtlinge rettet, statt Europa vor ihnen abzuriegeln:

Als ich nach Frontex frage, bricht es beinah aus ihm heraus:
– Wenn ich ein Holzboot mit 65 Menschen auf dem offenen Meer sehe, und ein
Sturm zieht herauf, dann ist mir Frontex scheißegal, dann denke ich nicht an
Immigration, an Papiere, an Zollbehörden. Dann rette ich sie, verdammt noch mal.
Für ihn als Kapitän, fährt er fort, um seinem kleinen Ausbruch eine Erklärung
beizugeben, stünde das Seerecht über etwaigen EU-Verordnungen, er dürfte also
gar nicht anders handeln.
– Sieht das jeder Kapitän so?, frage ich. Ihm ist sofort bewusst, dass ich auf
die Berichte über Frontex-Einsätze anspiele, bei denen die Soldaten in die
Schlauchboote stechen oder den Flüchtlingen das Wasser und die Nahrung
nehmen, um sie an der Weiterfahrt zu hindern.
– Ich bin mir sicher, sagte er, dass jedenfalls alle französischen Kapitäne genauso
gehandelt hätten, außerdem hatte ich die Zustimmung meiner Einsatzleitung.
Ich bin mir sicher, dass er genauso gehandelt hätte auch ohne die Zustimmung
seiner Einsatzleitung.

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Feb 08 2008

…treat those two imposters just the same…

Und hier kommt das Original, von dem Meister B.B. in Ideal eines Mannes in früheren Zeiten so schamlos klaut, und das er mit der Überschrift “in früheren Zeiten” gleichzeitig ironisch bricht: “If” von Rudyard Kipling (1865 – 1938). Muss man erwähnen, das Kipling selbstverständlich ein Mann seiner Zeit war und man die Zeilen “you´ll be a man my son” heute wohl doch mit “wirst Du ein Mensch sein, Kind” gender mainstreamend korrekt adaptieren sollte?

If…

If you can keep your head when all about you
Are losing theirs and blaming it on you;
If you can trust yourself when all men doubt you,
But make allowance for their doubting too;
If you can wait and not be tired by waiting,
Or being lied about, don’t deal in lies,
Or being hated, don’t give way to hating,
And yet don’t look too good, nor talk too wise:

If you can dream — and not make dreams your master;
If you can think — and not make thoughts your aim
If you can meet with Triumph and Disaster
And treat those two imposters just the same;
If you can bear to hear the truth you’ve spoken
Twisted by knaves to make a trap for fools,
Or watch the things you gave your life to, broken,
And stoop and build ‘em up with worn-out tools;

If you can make one heap of all your winnings
And risk it on one turn of pitch-and-toss,
And lose, and start again at your beginnings
And never breathe a word about your loss;
If you can force your heart and nerve and sinew
To serve your turn long after they are gone,
And so hold on when there is nothing in you
Except the Will which says to them: “Hold on!”

If you can talk with crowds and keep your virtue,
Or walk with kings — nor lose the common touch,
If neither foes nor loving friends can hurt you,
If all men count with you, but none too much;
If you can fill the unforgiving minute
With sixty seconds’ worth of distance run –
Yours is the Earth and everything that’s in it,
And — which is more — you’ll be a Man, my son!

So after Brechts adaption in the last entry here is the original: “If” by Rudyard Kipling.

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