Der Warschauer Ghetto Aufstand beginnt am 19. April 1943. Am Morgen um sieben Uhr werden die ins Ghetto hineinfahrenden deutschen Panzer mit selbst gebauten Granaten und Molotowcocktails beworfen. Die Deutschen trifft jüdischer Widerstand diesen Ausmasses unvorbereitet. Kein Soldat des angegriffenen Konvois überlebt.
220 jüdische Ghettokämpfer, jeder mit nur einen Revolver, fünf Handgranaten und fünf Benzinflaschen, bewaffnet kämpfen gegen die deutsche Übermacht. Ihnen stehen Tausende deutsche Soldaten, bewaffnet mit Panzern und Maschinengewehren gegenüber.
“Unser Kampf war hoffnungslos, wir führten ihn nur, um würdig zu sterben und um den Moment des Sterbens so weit wie möglich hinauszuzögern. Es war ein Aufstand, um den Deutschen zu beweisen, dass eine kleine Gruppe ihren eigenen Überzeugungen folgt. Ohne Kraft. Es ist eine große Sache, wenn man ohne Kraft und Hoffnung kämpft.”
Marek Edelman, Anführer im Warschauer Ghetto.
Die Welt und das nicht jüdische Warschau sehen tatenlos zu. Der jüdische Kampf tobt nur wenige Meter von der Ghettomauer entfernt. Die Kämpfer können jenseits der Mauer ein Karussell sehen, Musik klingt herüber. Frauen spielen mit ihren Kindern, während im Ghetto Menschen aus dem zweiten und dritten Stock brennender Häuser springen.
Mitte Mai, als die Deutschen systematisch Brandbomben in die Häuser werfen, ist der Kampf verloren. Mordechai Anielewicz und die anderen Anführer des Ghettoaufstandes gehen am 7.Mai 1943 in Ihrem Führungsbunker gemeinsam in den Tod. Nur wenigen Kämpfern gelingt die Flucht durch die Kanalisation. Dann wird auch die durch die SS geflutet.
Am 16.Mai 1943 sprengt SS-Brigadeführer Jürgen Stroop persönlich die “Grße Synagoge” an der Tlomackie-Strasse. Sein Telegramm an das deutsch Kommando in Krakau lautet:
“Es gibt keinen jüdischen Wohnbezirk mehr in Warschau.”
17.000 Juden haben die Nazis im Ghetto ermordet, 7.000 nach Treblinka in die Gaskammern verschleppt, 42.000 in Arbeitslager bei Lublin deportiert. Rund 7.000 Juden liegen verschüttet unter den Trümmern des Warschauer Ghettos oder sind im Flammeninferno verbrannt.
Marek Edelman, geflohen durch die Kanalisation, findet bei einer polnischen Frau Unterschlupf. Seine Versuche, sich polnischen Partisanen anzuschliessen, scheitern. Niemand will einen Juden als Partisan integrieren. Dabei hat er noch Glück. Jüdische Mitkämpfer werden -weil sie Juden sind- von Partisanverbänden erschossen . Edelman findet schliesslich eine kommunistische Einheit, die ihn akzeptiert. Als 1944 auch der Warschauer Aufstand verloren ist und die Partisanen als Kriegsgefangene aus der Warschau in die Gefangenschaft geführt werden, verstecken sich Edelman und die wenigen anderen jüdischen Kämpfer in den Trümmern der Stadt und entgehen so der sicheren Ermordung.
Am 2. Oktober ist Marek Edelman in Warschau gestorben.
Hier geht es zu seinem Bericht “The Ghetto Fights“.

Fighting without strength and hope…
Marek Edelmann the last surviving commander of the Warsaw Ghetto uprising died last Friday. A short memory in German plus a link to Edelmans report “The Ghetto Fights“.
Zum Holocaust Gedenktag am 27. Januar 2008 haben wir mir der Lagergemeinschaft Auschwitz eine Initiative zur Absicherung der Pflegebedürftigkeit für die Überlebenden der Konzentrationslager und des Holocaust gestartet. Hier die Links zu den Dokumenten:
Brief an Bundesfinanzminister Peer Steinbrück
Presseinformation vom 25.1. 2008
Artikel Frankfurter Rundschau
Die Pläne, das Kuratorium der Zwangsarbeiterstiftung “Erinnerung Verantwortung und Zukunft” fest in deutsche Hand zu überführen, scheinen vom Tisch. Jedenfalls rudert Dieter Wiefelspütz, innenpolitischer Sprecher der SPD, der den Ausschluss der NS-Verfolgten und ihrer Heimatländer zunächst mit getragen hatte zurück.
Berichtet die “Berliner Zeitung“.
It seems that at least the SPD has realized that it was not such idea to exclude the organizations of Nazi victims from the German forced labor foundation: reports today the “Berliner Zeitung“.
Ausserdem in der “TAZ” von heute zum Abschluss der Auszahlungen ein Interview mit Professor Ulrich Herbert:
Und wer darf diesen Erfolg für sich verbuchen? Rot-Grün? Die Öffentlichkeit? Oder war es der Druck der Klagen in den USA gegen deutsche Firmen?
Alles drei in gleichem Masse. In der Öffentlichkeit wurde das Thema schon in den 80ern diskutiert. Die Klagen haben die Firmen unter Druck gesetzt, Rot-Grün hat die Entschädigung durchgesetzt. Übersehen wurde aber oft, dass es bei den Sammelklagen in den USA nur um Juden ging – doch 95 Prozent der Zwangsarbeiter waren keine Juden. Rot-Grün wollte anfangs, mangels historischer Kenntnis, auch nur jüdische Zwangsarbeiter entschädigen. Es war ein Verdienst der viel geschmähten Anwälte, vor allem von Michael Hausfeld, auch nicht jüdische Zwangsarbeiter zu vertreten. Das war der Durchbruch für die Entschädigung osteuropäischer Opfer.
Die Bilanz von Otto Graf Lambsdorff findet sich in der “Welt”:
WELT ONLINE: Hat die heikle Arbeit, die Entschädigung ehemaliger NS-Zwangsarbeiter international auszuhandeln, Ihr Geschichtsverständnis verändert?
Otto Graf Lambsdorff: Mein Geschichtsverständnis hat sich insofern verändert, als ich sehr viel näher an das Schicksal von Menschen herangekommen bin, die unter der nationalsozialistischen Zwangsherrschaft höchst persönlich gelitten haben. Die Fakten waren ja eigentlich nicht neu, wir kennen das aus Büchern, dem Fernsehen, Filmen. Aber mit so vielen früheren Zwangs- und Sklavenarbeitern selbst zu sprechen, macht ihr Schicksal noch einmal viel authentischer. (…)
WELT ONLINE: Dem deutschen Recht ist die Sammelklage bislang – im Gegensatz zu den USA – weitgehend fremd. Sollte die Sammelklage auch in Deutschland stärker akzeptiert werden?
Lambsdorff: Das ist eine interessante Frage, die weit über das Thema Zwangsarbeiter hinausgeht. Meine Meinung: Wenn tausende geschädigte Aktionäre irgendeiner Aktiengesellschaft über das Instrument der Sammelklage Ansprüche durchsetzen können, begrüsse ich das durchaus. Es gibt solche Möglichkeiten auch schon im deutschen Recht.
inzwischen ist hier auch der Text des Gesetzentwurfes von SPD und CDU Fraktion eingetroffen.
Man kann ihn hier downloaden:
Gesetzentwurf
Habe seit ewigen Zeiten keinen Leserbrief mehr geschrieben.
Bis gerade. An die Junge Welt:
Von oben herab…
So hätten Sie es gerne:
die Entschädigung der NS-Zwangsarbeiter als huldvolle Geste der Deutschen Wirtschaft und der Bundesregierung. Treten wir also noch einmal an. machen wir Ihnen klar, dass auch die Mittel des Zukunftsfonds der Zwangsarbeiterstiftung den Überlebenden gehören. Sie haben Jahrzehnte für diese Kompensation kämpfen müssen. Sie haben in einem Kraftakt die zehn Milliarden DM von Staat und Wirtschaft erstritten. Diese Summe war ein historischer Kompromiss. Das sollte jetzt nicht in Vergessenheit geraten. Deshalb hoffe ich sehr, dass die Akteure von damals in den Parteien und Nichtregierungsorganisationen noch einmal antreten, um diesen Gesetzentwurf zu verhindern.
A l’arme!
Lothar Evers
________________
English summary:
my first letter to a newspaper since ages:
calling to keep up the struggle against the exclusion of survivors from the German slavelabor foundation.
Die Bundesregierung und die sie tragenden Koalitionsfraktionen wollen die Stiftung “Erinnerung Verantwortung und Zukunft” umbauen.
Berichtet Ulla Jelpke in der heutigen Ausgabe der “Jungen Welt”:
Dem Kuratorium (werden) nahezu alle bisherigen Befugnisse entzogen, während ein neu zu schaffender Stiftungsrat künftig das eigentliche Entscheidungsorgan sein soll. Dort sitzen nur noch zwei Vertreter des Bundestags (womit man bequem die Opposition ganz aussen vor lassen kann), der vom Bundeskanzler bestellte Vorsitzende, zwei Repräsentanten der Regierung und drei der deutschen Wirtschaft.
Repräsentanten (…) der US-amerikanischen Klägeranwälte, des UN-Hochkommissars für Flüchtlinge (UNHCR), der International Organization for Migration (IOM) und des Bundesverbands Information und Beratung für NS-Verfolgte (…) sollen nach den Plänen von CDU/CSU und SPD keinen Platz mehr im Kuratorium haben. Begründung: Die Entschädigungen seien nun abgeschlossen, und es gehe nur noch um den »Zukunftsfonds«, der der Erinnerung an die Verbrechen dient. Auch (soll) der Bundestag ins Kuratorium nur noch vier (statt bisher fünf) Mitglieder entsenden (…) obwohl dem Parlament fünf Fraktionen angehören.
Diese Modell hatten Bundesregierung und Wirtschaft schon bei der Gründung der Stiftung favorisiert: stiften gehen nach Gutsherrenart. Reichen unsere Kräfte heute, diese Revision zu verhindern?
A l’arme!
_________________
English summary:
German government and economy want to change: the bylaws of the foundation for victims of Nazi forced and slave labor. For the future the survivors and their organisations shall be excluded from the foundations governing body (the kuratorium). That had always been favored by the German side: pretend to be gracious founders instead of being responsible for Nazi atrocities.