… habe ich gestern im Kino gesehen.
Der Einbruch von Helens Depression in eine heile kanadische Kleinfamilie zeigt, wie schnell diese Ministruktur aus drei Personen: (Stief)vater, Mutter, Kind an ihre Grenzen stösst. Zeigt auch, dass es weiterer Menschen in enger Verbundenheit: ExpartnerIn, Assistentin, Psychoseerfahrene braucht, um halbwegs auf die Herausforderung “Lebenskrise” zu reagieren. Herausragend: die Frauenbeziehung zwischen Helen und ihrer Krisenlotsin Mathilda. Nicht auszudenken, man könnte dieses Menschennetz in dauerhaftere verlässliche Nähe transformieren und integrieren.
Zum Schluss: ein (mich) nicht überzeugendes (Happy?)end: nach Elektroschock und Teilverlust des Gedächtnisses: Heimkehr in die Kleinfamilie. Nichts ist wie vorher, oder: doch? Ausgetauscht: nur der Hund. Er heisst jetzt: “Macho”.
Der Trailer zu “Hellen” verteilt klare Rollen, so typisch wie falsch:
“Friendship will bring hope…”
“Family will bring strength…”
“Love will bring a new beginning…”
So ein Unsinn! Da fokusiert Autorin und Regisseurin Sandra Nettelbeck leider doch voll aufs Klischee statt auf komplexe Wahrheiten. Trotz der fragwürdiger Auflösung zum Ende: “Helen” bleibt ein sehenswerter Film mit brillanten SchauspielerInnen, insbesondere: Laureen Lee Smith als Mathilda.
Ignaz Kirchner gehört zu meinen Lieblingsschauspielern. Genauer: er ist mein liebster Schauspieler. Seine Dramtisierung von Wilhelm Reichs “Rede an den Kleinen Mann” hat mich verändert. Als Pozzo in Becketts “Warten auf Godot” steht er zur Zeit auf der Bühne des Wiener Burgtheaters. Gestern gibt Kirchner ein Interview in “Die Presse”. Darin das folgende Zitat von Samuel Beckett
„Alles seit je. Nie was anderes. Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.“
“All of old. Nothing else ever. Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.”
(„Worstward Ho“, 1983,)
Kichner fährt fort: “Das ist nicht nur ein Lieblingssatz von mir, sondern auch von George Tabori.” Taboris Inszenierung von Becketts Godot habe ich am Berliner Ensemble gesehen. Sehr heiter!.
Sie wird noch gespielt dort. Ignaz Kirchners Beckett Zitat passt zum Titel dieses Blogs aus Rudyard Kiplings “if”:
If you can meet with Triumph and Disaster
And treat those two impostors just the same.
If you can bear to hear the truth you’ve spoken
Twisted by knaves to make a trap for fools,
Or watch the things you gave your life to, broken,
And stoop and build’em up with worn-out tools;
If you can make one heap of all your winnings
And risk it on one turn of pitch-and-toss,
And lose, and start again at your beginnings,
And never breathe a word about your loss
…gestern Abend zu den einstürzenden Dominosteinen in Berlin. Fünf Stunden Kino in Bonn auf Einladung der Gruppe Georg Elser. Fünf Stunden Kino von 20 Uhr bis ein Uhr morgens: Tsahal von Claude Lanzmann. Ein erhellendes Stück Kino ein Blick auf Israels Armee vor 15 Jahren: mit Staabschefs die später Premierminister und Verteidigungsminister wurden, und möglicherweise einige ihrer differenzierten Beiträg damals vor Lanzmanns Kamera inzwischen vergessen haben.
Derweil in Berlin: Politik als Inszenierung…. Hier ein Blick auf die Proben:
Meine eigenen musikalischen Fähigkeiten gingen über “dilletante” nie hinaus. Wenn überhaupt: Stimme und percussion. Gestern abend hatte ich Gelegenheit den Meister zusehen. Trilok Gurtu wird in Zukunft zu den Künstlern gehören, für die ich einen Tag anreisen werde um ihn zu hören. Gurtu spielt zur Zeit die percussions in der Jan Garbarek Group und gestern abend war zum 32 mal “Jazzfestival Neuwied”.
Das Konzert gestern stand ausserdem unter dem Motto “40 Jahre ECM”. Noch länger als “Jazz Neuwied” bietet diese Ausnahmelabel zeitgenössischen Künstlern eine Plattform für ihre Music. Hier die Herren Garbarek uhnd Gurtu deutlich jünger mit Shankar und Zakir Hussain.
Trilok Gurtu spielt auch mit jüngeren Musikern in seiner “Trilok Gurtu Band”. Hier in Sines (Portugal) 2007:
Und noch ein wenig Geschichte / Theorie (auch schon über 10 Jahre alt / mit italienischen Einsprengseln):
Im Moment schaue ich kaum Fernsehen. Deshalb weiss ich nicht so genau, ob der Terror der Werbespots zum Valentins Tag schon wieder begonnen hat. Auf Anhieb fallen mir Ferrero, Douglas und Fleurop ein, die noch jedes Fest, jede menschliche Regung in eine Konsumorgie verwandeln wollen. Nächste Gelegenheit: nämlicher Valentinstag (14. Februar). Doch nun regt sich Widerstand gegen diese Konsummafia. Seit einigen Monaten verfolge ich interessiert die Aktionsformen der Rebell Clowns um C.I.R.C.A. Gerade trifft über deren Newsletter die Einladung zur Veranstaltung “Reclaim Love” am 16. Februar 2006 auf dem Londoner Picadilly Circus ein. Die Aktion wird vorbereitet von O-I-L. Diese Abkürzung steht sowohl für “Operation Infinite Love” als auch für: “One In Love”. Also (hoffentlich) auch für Sie.
I am looking for an excuse for a trip to London since a while already. This morning I might have got one. In my mailbox is the invitation to join “Reclaim Love” right beyond the Eros Statue on Piccadilly Circus. I guess it is a nice idea to reclaim Love from all the Multinationals that want to tell us we have to buy their prefabricated gifts to express our love. The event is organized by O-I-L. This abbreviation stands for “Operation Infinite Love” and for “One In Love”. So: (hopefully) for you!
Here is the video from 2006:
[youtube aeCVDO5UCkA]