send in the clowns.
Most of what happened in and outside the fence at Heiligendamms G8 Summit was easy to predict:
Surprising at least for me were new intervention by the Clandestine Insurgent Clowns Army (C.I.R.C.A.) and its clownbatants during these days. They practiced a most organized and at the same time extremely individualistic form of political intervention between the armored blocks. That can be studied in great detail in this video study:
[youtube SN3gTTe_BHM]
If you have a look at C.I.R.C.A.s website clownarmy.org you immediately realise that here are “clowns with a thought”. You will find quotes from Chogyam Trungpa Rimpoche beside Dario Fo, Walter Benjamin in touch with Abbie Hoffman. My favorite quote comes from Adrien Wettach, better known to the world as clown Grock:
No sooner do I get upon the stage than all my self-protective armour peels away from me and I am a recording instrument as sensitive as a mimosa plant. There is nothing I cannot feel and nothing I do not react to.
It is worth while to get deeper into C.I.R.C.A.s theory and strategies, so read for yourself.
But if you do not have time, here is an explanation of the armys name:
Which leads to the following appealing political manifesto:
C.I.R.C.A. is not another excuse to dress up and bring colour and laughter to the grey ranks of protests. It isn’t just a ragged bunch of activists sporting false noses, a smudge of grease paint, camouflage pants and bad wigs, but a highly disciplined army of immaculately trained clowns, a militia of authentic fools, a battalion of natural buffoons.
C.I.R.C.A.’s combatants don’t pretend to be clowns, they are clowns, real clowns. Clowns that have run away from the anemic safety of the circus and escaped the banality of kids parties, Fools that have thrown away their sceptres and broken the chains that shackled them to the throne. C.I.R.C.A. aims to make clowning dangerous again, to bring it back to the street, reclaim its disobedience and give it back the social function it once had: its ability to disrupt, critique and heal society. (….) We are circa because we are approximate and ambivalent, neither here nor there, but in the most powerful of all places, the place in-between order and chaos.
Run away from the Circus!
So if you should be tempted to join the army, here is the “official” recruitment video:
[youtube t_jS3Wh8g6s]
Am 21. April habe ich ich hier meine Anmerkungen zum Hungertod von Sascha K. in Speyer veröffentlicht: “Tod eines Kunden…” .
Saschas einsamer Tod in Speyer verweist jenseits aller Sensationsgier und Empörung auf den gefährlichen Strukturwandel nach Hartz IV: die Kommunen sind froh, ihre arbeitsfähigen Sozialhilfeempfänger an die Arbeitsverwaltung abspielen zu können. Diese regelt Kundenbeziehungen mit denjenigen, die stark und leistungsfähig genug sind, im bürokratischen Zirkus nach Hartz IV durchzuhalten.
Bei diesem Scenario gibt es einen grossen Verlierer: diejenigen, die diesem Spiel nicht gewachsen sind. Für sie gabe es früher ein Rückfahrticket in die Welt der Fürsorge. Rechtlich ist die Sozialhilfe auch heute für sie zuständig. Zuständig für diese Rückkehr aus der Sackgasse fühlt sich dafür, nicht nur in Speyer: niemand.
“Tutto a posto, niente in ordine!â€.
Zum gleichen Ergebnis kommt Klaus Dörner in seinem neuen Buch “Leben und Sterben, wo ich hingehöre; Dritter Sozialraum und neues Hilfesystem”:
An der Umorganisation der Arbeitsverwaltung können wir studieren, wie bisherige Vorstellungen des Standes- oder Klassen- Staats, wo zwischen “oben” und “unten” unterschieden wird, dabei aber fürsorge-staatlich niemand verloren gehen kann, ersetzt werden durch Ordnungsvorstellungen, die zwischen “drinnen” und “draussen” unterscheiden, als ob es sich bei der Gesellschaft um eine Zentrifuge handele, deren mal schnellere, mal langsamere Umdrehungen unterscheiden zwischen den Etablierten (“Inklusion”), der immer prekären Lage der Randgruppen, und den dann systemlogisch immer auch notwendigen Ausgeschlossenen, Ausgegrenzten, Überflüssigen, die im sozialen Niemandsland oder auch Feindesland leben(…).
Leben und sterben, wo ich hingehöre. Dritter Sozialraum und neues Hilfesystem
inzwischen ist hier auch der Text des Gesetzentwurfes von SPD und CDU Fraktion eingetroffen.
Man kann ihn hier downloaden:
Gesetzentwurf
Habe seit ewigen Zeiten keinen Leserbrief mehr geschrieben.
Bis gerade. An die Junge Welt:
Von oben herab…
So hätten Sie es gerne:
die Entschädigung der NS-Zwangsarbeiter als huldvolle Geste der Deutschen Wirtschaft und der Bundesregierung. Treten wir also noch einmal an. machen wir Ihnen klar, dass auch die Mittel des Zukunftsfonds der Zwangsarbeiterstiftung den Überlebenden gehören. Sie haben Jahrzehnte für diese Kompensation kämpfen müssen. Sie haben in einem Kraftakt die zehn Milliarden DM von Staat und Wirtschaft erstritten. Diese Summe war ein historischer Kompromiss. Das sollte jetzt nicht in Vergessenheit geraten. Deshalb hoffe ich sehr, dass die Akteure von damals in den Parteien und Nichtregierungsorganisationen noch einmal antreten, um diesen Gesetzentwurf zu verhindern.
A l’arme!
Lothar Evers
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English summary:
my first letter to a newspaper since ages:
calling to keep up the struggle against the exclusion of survivors from the German slavelabor foundation.
Die Bundesregierung und die sie tragenden Koalitionsfraktionen wollen die Stiftung “Erinnerung Verantwortung und Zukunft” umbauen.
Berichtet Ulla Jelpke in der heutigen Ausgabe der “Jungen Welt”:
Dem Kuratorium (werden) nahezu alle bisherigen Befugnisse entzogen, während ein neu zu schaffender Stiftungsrat künftig das eigentliche Entscheidungsorgan sein soll. Dort sitzen nur noch zwei Vertreter des Bundestags (womit man bequem die Opposition ganz aussen vor lassen kann), der vom Bundeskanzler bestellte Vorsitzende, zwei Repräsentanten der Regierung und drei der deutschen Wirtschaft.
Repräsentanten (…) der US-amerikanischen Klägeranwälte, des UN-Hochkommissars für Flüchtlinge (UNHCR), der International Organization for Migration (IOM) und des Bundesverbands Information und Beratung für NS-Verfolgte (…) sollen nach den Plänen von CDU/CSU und SPD keinen Platz mehr im Kuratorium haben. Begründung: Die Entschädigungen seien nun abgeschlossen, und es gehe nur noch um den »Zukunftsfonds«, der der Erinnerung an die Verbrechen dient. Auch (soll) der Bundestag ins Kuratorium nur noch vier (statt bisher fünf) Mitglieder entsenden (…) obwohl dem Parlament fünf Fraktionen angehören.
Diese Modell hatten Bundesregierung und Wirtschaft schon bei der Gründung der Stiftung favorisiert: stiften gehen nach Gutsherrenart. Reichen unsere Kräfte heute, diese Revision zu verhindern?
A l’arme!
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English summary:
German government and economy want to change: the bylaws of the foundation for victims of Nazi forced and slave labor. For the future the survivors and their organisations shall be excluded from the foundations governing body (the kuratorium). That had always been favored by the German side: pretend to be gracious founders instead of being responsible for Nazi atrocities.
Sascha K. (20) auf den Titelseiten der Boulevardpresse:
postmortem.
Verhungert neben seiner ebenfalls abgemagerten Mutter Elisabeth (48) in Speyer. “Keinerlei Lebensmittelvorräte” habe man in der penibel aufgeräumten Zweiraumwohnung gefunden, vermerkt der Polizeibericht. Ein Kunde weniger für die Gesellschaft für Arbeitsmarktintegration Vorderpfalz-Ludwigshafen (GfA) . Die war für Sascha K. zuständig. Irgendwie. Zuständig in jedem Fall für die Arbeitsmarktintegration der “Bedarfsgemeinschaft”, die Sascha zusammen mit seiner Mutter für die AfA darstellte. Eine Kundenbeziehung eben, in den engen Grenzen des Firmenauftrages. Jetzt ist “König Kunde” verhungert und nach Monaten des Schweigens und der Einsamkeit Familie K. erneut Gegenstand öffentlichen Interesses: der Boulevardjournalisten, Verbandspressesprecher und (hoffentlich nicht) auch noch der Damen und Herren Talkmaster nach Genesung der Mutter. Unter Erklärungsnot: Afa und Stadt Speyer: “Irgendeine Auffälligkeit war für uns nicht erkennbar“, fasst der für die “Kunden” in Speyer zuständige Geschäftsführer Hans Grohe zusammen: “wir können uns keine Hausbesuche leisten”“.
Das ist natürlich flott dahin gelogen. Selbstverständlich veranstaltet die GfA Hausbesuche. Die dienen jedoch nicht der Kundenbindung sondern -wie bezeichnet man das Gegenteil-?
“Kundenvergraulung”?
Grohe zur Seite steht der Bürgermeister von Speyer Hanspeter Brohm: “die Passivität der beiden hat den Tod des jungen Mannes verursacht“. Er, Brohm sei aber umgehend zu Frau K an das Krankenbett geeilt und habe ihr Wohnung und Geld versprochen.
Feudalismus: einem deutschen Bürgermeister (immer noch?) vertrauter als kommunale Dienstleistung?
Soweit ich weiss, kann man sich kaum dagegen wehren, von der Arbeitsverwaltung als “Kunde” bezeichnet und mit entsprechenden Kundennummern versehen zu werden. Mögen jene Spindoctoren, die solche Euphemismen in “Hartz IV” formuliert haben, an ihren eigenen Begriffen ersticken.
Saschas einsamer Tod in Speyer verweist jenseits aller Sensationsgier und Empörung auf den gefährlichen Strukturwandel nach Hartz IV: die Kommunen sind froh, ihre arbeitsfähigen Sozialhilfeempfänger an die Arbeitsverwaltung abspielen zu können. Diese regelt Kundenbeziehungen mit denjenigen, die stark und leistungsfähig genug sind, im bürokratischen Zirkus nach Hartz IV durchzuhalten.
Bei diesem Scenario gibt es einen grossen Verlierer: diejenigen, die diesem Spiel nicht gewachsen sind. Für sie gabe es früher ein Rückfahrticket in die Welt der Fürsorge. Rechtlich ist die Sozialhilfe auch heute für sie zuständig. Zuständig für diese rückkehr aus der Sackgasse fühlt sich dafür, nicht nur in Speyer: niemand.
“Tutto a posto, niente in ordine!â€.
Wer aus der Kundenkartei der ARGEs aussortiert ist, und keinen neuen “Laden” findet, beendet seine Existenz im Radar der Sozialbürokratie. Das kann auch mit dem physischen Exitus enden.
Gefahr erkannt, Gefahr gebannt?
Nicht ganz! Hans Grohe und Hanspeter Brohm ahnen immerhin, dass Ihr (unser?) Geschäftsmodell noch die eine oder andere Optimierungsmöglichkeit vertragen könnte:
“Vielleicht müssen wir von uns aus auch in anderen Fällen doch aktiver werden“, stammelt Grohe.
Künnt wohr sinn…, sagt der Kölner.
English summary:
Last week Germanys media covered the story of a 20 year old starved to death beside his 48 year old mother in the German City of Speyer. Since autumn 2006 both had no longer applied to lokal authorities. They had ended there social live. Now, postmortem we see them on the front pages of Germanys tabloid newspapers.
The article quotes some officials, among them the mayor of Speyer. Plus: some analytic remarks, how this spectacular case relates to changes of legislation on unemployment benefits and social security known here in Germany under the topic “Hartz IV”.
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Background:
Forum der Süddeutschen mit Kommentaren anderer GfA Kunden: SZ
Besuch in Speyer von Harald Biskup (Kölner Stadt Anzeiger): KSTA