Zum Tod von Steve Jobs…

…erscheinen an vielen Orten wirklich gute Zitate des Apple Gründers, die es sich lohnt fest zu halten:

“Your work is going to fill a large part of your life, and the only way to be truly satisfied is to do what you believe is great work. And the only way to do great work is to love what you do. If you haven’t found it yet, keep looking. Don’t settle. As with all matters of the heart, you’ll know when you find it. And, like any great relationship, it just gets better and better as the years roll on. So keep looking until you find it. Don’t settle.”

Diese Rede wird an vielen Stellen in Ausschnitten zitiert. Sie lohnt auch im Zusammenhang:
Steve Jobs Stanford Commencement Speech 2005:

Hier der Text der Rede in englisch.
Und hier eine deutsche Übersetzung.

… den Hitler jag ich in die Luft…

Vor 70 Jahren, am 8.November 1939 detonierte die Bombe im Bürgerbräukeller. 30 Nächte lang hatte Georg Elser sich dort einschliessen lassen, die tragende Säule ausgehöhlt und mit Sprengstoff vollgestopft. Adolf Hitler verliess den Saal 20 Minuten vor der Detonation. Zu diesem Zeitpunkt war Elser bereits beim Versuch über die  Schweizer Grenze zu kommen, verhaftetworden.
GeorgElser, ein einsamer Held zwischen allen Fronten.
Am 11. November 1939 bekundet die Sowjetunion gegenüber dem deutschen Botschafter in Moskau Friedrich-Werner von Schulenburg “ihr Bedauern und ihre Entrüstung über den ruchlosen Anschlag von München, ihre Freude über die glückliche Errettung Adolf Hitlers aus der Lebensgefahr und ihr Beileid für die Opfer des Attentats” aus.
Einen Monat vor Kriegsende, am 9. April 1945  wird Georg Elser im KZ Dachau auf Befehl Adolf Hitlers von einem SS-Aufseher durch Genickschuss ermordet.

Ein erhellendes Gespräch in Deutschland Radio Kultur mit dem Elser Biograph Hellmut G. Haasis.
Georg Elser (rechts) mit seiner Freundin Mathilde Niedermann und seinem jüngeren Bruder Leonhard auf der Insel Mainau (Bodensee), um 1929

Georg Elser (rechts) mit seiner Freundin Mathilde Niedermann und seinem jüngeren Bruder Leonhard auf der Insel Mainau (Bodensee), um 1929

Dokumentation…

Kinder und Schweine…

Impfen oder nicht impfen lassen? Schon sechs Tote, jetzt die ersten aus Nicht Risiko Gruppen. Die Schweinegrippe hat es zu grosser Medienpräsenz gebracht.
Eine Kurzmeldung eben in “Wissenschaft aktuell” im Deutschlandfunk berichtet von einer anderen Dimension des Sterbens, die viel weiter weg scheint:

Täglich sterben mehr als 4.000 Kleinkinder an Lungenentzündung, obwohl die Krankheit einfach behandelt werden könnte. Lungenentzündung ist damit die häufigste Todesursache für Kinder unter fünf Jahren.

Lampedusa macht dicht…

Die Festung Europa wird hermetischer. Letztes Jahr sind über 25.00 Menschen, meist aus Afrika in Lampedusa gelandet. Nun wird die europäische Grenze an die afrikanischen Strände verlegt. Die 4000 Inselbewohner auf Lampedusa sind wieder unter sich. Berichtet der Deutschlandfunk heute morgen.

Mein Blick auf Lampedusa ist geprägt von einer Reportage Navid Kermanis. Hier ist sie als podcast “Das volle Boot“. Gedruckt gibt es sie in der ZEIT.

Unvergessen: das Ende jener Reportage, der O-Ton des französischen Kapitäns der Flüchtlinge rettet, statt Europa vor ihnen abzuriegeln:

Als ich nach Frontex frage, bricht es beinah aus ihm heraus:
- Wenn ich ein Holzboot mit 65 Menschen auf dem offenen Meer sehe, und ein
Sturm zieht herauf, dann ist mir Frontex scheissegal, dann denke ich nicht an
Immigration, an Papiere, an Zollbehörden. Dann rette ich sie, verdammt noch mal.
Für ihn als Kapitän, fährt er fort, um seinem kleinen Ausbruch eine Erklärung
beizugeben, stünde das Seerecht über etwaigen EU-Verordnungen, er dürfte also
gar nicht anders handeln.
- Sieht das jeder Kapitän so?, frage ich. Ihm ist sofort bewusst, dass ich auf
die Berichte über Frontex-Einsätze anspiele, bei denen die Soldaten in die
Schlauchboote stechen oder den Flüchtlingen das Wasser und die Nahrung
nehmen, um sie an der Weiterfahrt zu hindern.
- Ich bin mir sicher, sagte er, dass jedenfalls alle französischen Kapitäne genauso
gehandelt hätten, ausserdem hatte ich die Zustimmung meiner Einsatzleitung.
Ich bin mir sicher, dass er genauso gehandelt hätte auch ohne die Zustimmung
seiner Einsatzleitung.

…kämpfen ohne Kraft und Hoffnung…

Der Warschauer Ghetto Aufstand beginnt am 19. April 1943. Am Morgen um sieben Uhr werden die ins Ghetto hineinfahrenden deutschen Panzer mit selbst gebauten Granaten und Molotowcocktails beworfen.   Die Deutschen trifft jüdischer Widerstand diesen Ausmasses unvorbereitet. Kein Soldat des angegriffenen Konvois überlebt.

220 jüdische Ghettokämpfer, jeder mit nur einen Revolver, fünf Handgranaten und fünf Benzinflaschen, bewaffnet kämpfen gegen die deutsche Übermacht. Ihnen stehen Tausende deutsche Soldaten, bewaffnet mit Panzern und Maschinengewehren gegenüber.

Unser Kampf  war hoffnungslos, wir führten ihn nur, um würdig zu sterben  und um den Moment des Sterbens so weit wie möglich hinauszuzögern. Es war ein Aufstand, um den Deutschen zu beweisen, dass eine kleine Gruppe ihren eigenen Überzeugungen folgt. Ohne Kraft. Es ist eine große Sache, wenn man ohne Kraft und Hoffnung kämpft.”
Marek Edelman, Anführer im Warschauer Ghetto.

Die Welt und das nicht jüdische Warschau sehen tatenlos zu. Der jüdische Kampf tobt nur wenige Meter von der Ghettomauer entfernt. Die Kämpfer können jenseits der Mauer ein Karussell sehen, Musik klingt herüber.  Frauen spielen mit ihren Kindern, während im Ghetto Menschen aus dem zweiten und dritten Stock brennender Häuser springen.

Mitte Mai, als die Deutschen systematisch Brandbomben in die Häuser werfen, ist der Kampf  verloren. Mordechai Anielewicz und die anderen Anführer des Ghettoaufstandes gehen am 7.Mai 1943 in Ihrem Führungsbunker gemeinsam in den Tod. Nur wenigen Kämpfern gelingt die Flucht durch die Kanalisation. Dann wird auch die durch die SS geflutet.

Am 16.Mai 1943 sprengt SS-Brigadeführer Jürgen Stroop persönlich die “Grße Synagoge” an der Tlomackie-Strasse. Sein Telegramm an das deutsch Kommando in Krakau lautet:
“Es gibt keinen jüdischen Wohnbezirk mehr in Warschau.”

17.000 Juden haben die Nazis im Ghetto ermordet, 7.000 nach Treblinka in die Gaskammern verschleppt, 42.000 in Arbeitslager bei Lublin deportiert. Rund 7.000 Juden liegen verschüttet unter den Trümmern des Warschauer Ghettos oder sind im Flammeninferno verbrannt.

Marek  Edelman, geflohen durch die Kanalisation, findet bei   einer polnischen Frau Unterschlupf.  Seine Versuche, sich polnischen Partisanen anzuschliessen, scheitern. Niemand will einen Juden als Partisan integrieren. Dabei hat er noch Glück. Jüdische Mitkämpfer werden -weil sie Juden sind- von Partisanverbänden erschossen . Edelman findet schliesslich eine kommunistische Einheit, die ihn akzeptiert. Als 1944 auch der Warschauer Aufstand verloren ist und die Partisanen als Kriegsgefangene aus der Warschau in die Gefangenschaft geführt werden, verstecken sich Edelman und die wenigen anderen jüdischen Kämpfer in den Trümmern der Stadt und entgehen so der sicheren Ermordung.

Am 2. Oktober ist Marek Edelman in Warschau gestorben.
Hier geht es zu seinem Bericht The Ghetto Fights.
Marek Edelman

Fighting without strength and hope…
Marek Edelmann the last surviving commander of the Warsaw Ghetto uprising died last Friday. A short memory in German plus a link to Edelmans report The Ghetto Fights.

…mein Rendevous mit dem Tod…

…fand vor zwei Jahren statt. Abends aus Köln hier in die Eifel zurückgekehrt. Das Frischkäse-Tomaten Schwarzbrot zu hastig verschlungen, steckte ein grosser Krümel in der Luftröhre.  Erstickungsangst, auf den Bauch geworfen, ausgespuckt. Schwarze Ringe unter den Augen, tagelang.

Ein aussergewöhnlicher SPIEGEL Titel in dieser Woche: Jürgen Leinemann über seinen Krebs. Ein Vorabdruck aus seinem in wenigen Tagen erscheinenden Buch “Das Leben ist der Ernstfall”. Noch hat der Spiegel die Titelgeschichte nicht freigegeben. Man bleibt also auf den Gang zu Kiosk oder das epaper angewiesen. Absolut lesenswert! Seinen Kollegen Tiziano Terzani der ebenfalls zwei Bücher zum Thema geschrieben hat erwähnt Leinemann nicht. Wohl sein zusammen mit Cord Schnibben geführtes Gespräch mit Hans Joachim Friedrichs “Irgendwann ist eben Ende….

In diesem Zusammenhang: Heiner Müller kurz nach seiner Krebsoperation im Gespräch mit Alexander Kluge: “Mein Rendevous mit dem Tod..”