Archive for the 'Alltagsschnipsel' Category

Nov 05 2009

… Tonne auf – Tonne zu…

Mein Lieblingslied aus der Sesamstrasse ist eindeutig:
“Ü-, Überrraschung ist schön…,
doch hat man sie dann erst gese -hen,
ist sie vorbei -ei -ei…
Ü- Ü- Überraschung, dub, dub Überraschung….”

Heute hingegen öffnet Oscar seine Tonne, zeitweise jedenfalls, um sich  richtig toll zu ärgern. Der Sinn dieser Reminiszenz an Kindheitserinnerungen vor dem Fernseher erschliesst sich wohl den meisten Lesern nicht. Unter uns weilt aber eine ungenannte Meisterin der Tonnologie, der ich dieses Ständchen zueigne.  Zumal ich mit ihr vielleicht noch Ärger habe, oder neuen bekomme, oder den Deckel vor der Nase zugeklappt, oder…
Jedenfalls: über  “Tonne zu!” habe ich reichlich dazu gelernt im letzten Jahr. Nun aber zu unseren heutigen Gaststars: Andrea Martin und Oscar the Grouch:

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Jan 19 2008

Reclaim Love: London 16. Februar 2008

Im Moment schaue ich kaum Fernsehen. Deshalb weiss ich nicht so genau, ob der Terror der Werbespots zum Valentins Tag schon wieder begonnen hat. Auf Anhieb fallen mir Ferrero, Douglas und Fleurop ein, die noch jedes Fest, jede menschliche Regung in eine Konsumorgie verwandeln wollen. Nächste Gelegenheit: nämlicher Valentinstag (14. Februar). Doch nun regt sich Widerstand gegen diese Konsummafia. Seit einigen Monaten verfolge ich interessiert die Aktionsformen der Rebell Clowns um C.I.R.C.A. Gerade trifft über deren Newsletter die Einladung zur Veranstaltung “Reclaim Love” am 16. Februar 2006 auf dem Londoner Picadilly Circus ein. Die Aktion wird vorbereitet von O-I-L. Diese Abkürzung steht sowohl für “Operation Infinite Love” als auch für: “One In Love”. Also (hoffentlich) auch für Sie.

I am looking for an excuse for a trip to London since a while already. This morning I might have got one. In my mailbox is the invitation to join “Reclaim Love” right beyond the Eros Statue on Piccadilly Circus. I guess it is a nice idea to reclaim Love from all the Multinationals that want to tell us we have to buy their prefabricated gifts to express our love. The event is organized by O-I-L. This abbreviation stands for “Operation Infinite Love” and for “One In Love”. So: (hopefully) for you!

Here is the video from 2006:
[youtube aeCVDO5UCkA]

And some more background: The Politics of Love

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Dec 23 2007

Momentaufnahme…

Einen der bekannten Onlinefragebögen ausgefüllt.
Momentaufnahme von heute:
Answered one of the many online questionaires.
Q&A in German only:

Ein Tag ist für mich perfekt, wenn …
ich eine Herausforderungen gemeistert habe, und sich jetzt die Ruhe des Abends einstellt
oder
ein neuer Gedanke mich angeflogen hat, der meinem Blick auf die Welt erweitert;
oder
ich nach Jahren an alte Kontakte anknüpfen kann;
oder
wir einfach nur, und immer wieder das Bett zerwühlt haben;

Drei Dinge, die für mich wichtig sind:
Mein Sohn Paul 19.
und
Der Kampf um die Lebensqualität meiner an Alzheimer erkrankten Mutter (83).
und
Mein Wissen um die Menschheitskatastrophe “nationalsozialistische Verfolgung”. In diesem Feld habe ich lange gearbeitet. Da gibt es das dichteste Netzwerk von Freunden und Bekannten, weltweit.

Fünf Worte, um mein Äußeres zu beschreiben:
Lachfalten, Schwergewicht, Boheme, hellwach, präsent

Ein Ort, an dem ich mich besonders wohlfühle:
Schottland, New York, Italien, Ladakh
mein Haus in der Eifel von 1722

Zwei Sachen, von denen ich mich nie trennen könnte:
ungerne von meinen Lieblingsbüchern:
James P Carse: Endliche und unendliche Spiele;
Wilhelm Reich: Rede an den kleinen Mann
Peter Weiss: Die Ästhetik des Widerstands

Wenn ich nichts zu tun habe, mache ich Folgendes:
dann lese ich (Sonntags)zeitungen kurz und klein, vormittags bei cafe au lait und nachmittags bei einem Malt Whisky;
oder
habe ich die Ruhe an meinem Blog zu schreiben;
oder
geniesse ich Filmabende mit meinem Sohn, oft mit Filmen, die einer von uns schon gesehen hat, und dem anderen nahe bringen möchte;

Ich reagiere allergisch auf …
Gewalt, Unrecht, Heuchelei, Falschheit, Verlogenheit, Schaufensterreden, diplomatisches Gesülze, und zu grosse Förmlichkeit;

Ich wünschte, ich könnte …
ein Unternehmer sein, der sich nicht um das Vermehren von Geld sondern um soziale Herausforderungen kümmert.
und
Ungeduld und Gelassenheit (noch) besser ausbalancieren.
und
Dinge diszipliniert lernen, die mir nicht einfach zufliegen, z.B. Akkordeon spielen.
und
mich kulturell so gut ausdrücken wie verbal und intellektuell.

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Dec 23 2007

Dignity….

Inge Evers through the mirror...My son Paul has a talent to enter and struc­ture encounters with his digital camera. Here pictures that Paul took of Inge, like we call my mother when we visited her jointly after she almost died of starvation and could be saved only by implanting a feeding tube. Paul behind his camera needs no words where I (still) rely on verbal communication. It is great to have him silently photographing in the same room.

My mother “reads” her daily “Kölner Stadt Anzeiger”. Our family subscribed to this paper since I was a little child. So we have no intention to cancel this subscription. We had to cancel the phone line however a few weeks ago because my mother could neither take incoming nor dial outbound calls anymore.

Kurz nachdem meine Mutter fast verhungert wäre und nur durch eine Implantation einer Magensonde gerettet werden konnte. Inge Evers liest Kölner Stadt Anzeiger im AltersheimMeinem Sohn Paul gelingt es, die Würde der alten Dame, oder Inge, wie wir sie nennen, beim Lesen des “Kölner Stadt Anzeigers” einzufangen. Während ich ohne Sprache im Zimmer meiner Mutter fast aufgeschmissen bin, kann Paul hinter seiner Kamera gut ohne Worte präsent sein. Den KStA abonnieren wir seit wir nach Köln gezogen sind. Damals war ich sechs Jahre alt. Er gehört fest ins familiäre Frühstücksritual. Das Telefon haben wir vor einigen Wochen abgemeldet, da meine Mutter weder Anrufe annehmen noch selber mehr wählen konnte. Der Stadt Anzeiger aber bleibt.

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Apr 29 2007

Imagine – Meisterklasse, oder:

Published by Lothar Evers under Alltagsschnipsel

wie kommt John Lennon zwischen die Tütensuppen?

Es ist noch gar nicht solange her, da habe ich “Imagine” life gehört. Joan Baez sang den Lennon Klassiker bei Ihrem Konzert in der Bielefelder Stadthalle. Vielleicht wegen dieser Aktualisierung und der eingängigen Melodie zuckte ich unmittelbar zusammen. Samstäglicher Einkauf im Mayener “Kaufland”, noch auf der ersten grossen Geraden in die Tiefe des Supermarktes hinein, unüberhörbar:

Imagine there’s no heaven
It’s easy if you try
No hell below us
Above us only sky
Imagine all the people
Living for today…

You may say I’m a dreamer…” heisst bekanntlich etwas weiter in LennonsText. Dass hier war kein Traum. Das war nicht weichgespült nach Methode Clayderman. Das war John Lennon himself. “Imagine” würde mich also mindestens bis zur Käsetheke begleiten: Tief durchatmen…!

Die Körperverletzung via Backgroundmusik nervt zwar. Bisher hatte ich den Kampf dagegen jedoch nie in meine Lust am Querstellen einbezogen. Bewundert hatte ich Frau B.: als Guerillakämpferin der Stille und Konzentration hinterlies sie Feedbackkärtchen. Doppelte Vistenkartengrösse diskret doch leicht zu finden an den Tatorten des berieselt werdens zurückgelassen: “herzlichen Dank, dass man bei Ihnen in Ruhe sitzen konnte“, oder auch: diese Hintergrund”musik” bezeichne ich als Körperverletzung und Anschlag auf jeden kulturellen Geschmack.

An der grossen Linkskurve zu den Molkereiwaren toppte die Supermerktunterhaltungsindustrie jede Paranoia: der Soundpegel für John wurde leicht zurückgezogen und eine dieser Profisprecher Marke “Praktiker Baumarkt” hijackte den Song: “Maggi Meisterklasse, jetzt die neuen Sorten y z und x, in dieser Woche nur…“. Den Preis hab ich vergessen. Dann wieder Lennon, der aber jetzt langsam zum Schluss kommen musste:

No need for greed or hunger
A brotherhood of man
Imagine all the people
Sharing all the world…

You may say I’m a dreamer
But I’m not the only one
I hope someday you’ll join us
And the world will live as one

Bleiben die Fragen:
An wen hat Yoko Ono die Rechte an “Imagine” verkauft?
Hat sie geahnt, das diese Hymne zur Tatwaffe gemeiner Supermarktdiskjokeys werden würde?
Wer wird es ihr erzählen?
Wird Sie dieses Verbrechen stoppen?
Zahlt Maggi für diese Werbeeinblendungen am Point of Sale?
Hat da etwa jemand geziehlt “Imagine” unter die Meisterklasse gelegt?
Oder: laufen die beiden “Programmteile” separat und paaren sich nur nach den Gesetzen des Zufalls?
Kann man das bitte für die Zukunft verhindern?

Vielleicht:
demnächst mehr
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Hi, english Readers, you recognized the song:
“Imagine” by John Lennon. Two weeks ago the “Imagine” got hijacked inside Kaufland Supermarket in Mayen. The song was forced, to function as ambient Musik for Saturday shoppers. Worse: right in the middle an actor interrupted John to apraise the new taste in the Maggi instant soup empire: Meisterklasse.
A bit impressionistic, this text, which in english I could only try verbally…

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