Archive for December, 2009

Dec 31 2009

Adorno: Kälte / Auschwitz / Wärme / Liebe

Published by Lothar Evers under ...on the web, Love

Habe einen hervorragenden youtube chanel zur Kritischen Theorie entdeckt und schaue ältere Dokumentationen. Darin das folgende Zitat von Theodor W. Adorno, dass sich ähnlich, aber nicht ganz so pointiert, auch in seinem Aufsatz “Erziehung nach Auschwitz” findet:

Wäre diese Kälte nicht ein Grundzug der Anthropologie, also der Beschaffenheit der Menschen, wie sie in unserer Gesellschaft tatsächlich sind, wären also nicht die Menschen im Grunde gleichgültig gegen das, was mit allen anderen geschieht – außer den paar, mit denen sie eng und womöglich durch Interessen verbunden sind, so wäre Auschwitz nicht möglich gewesen. Die Menschen hätten es dann nicht hingenommen.

Die Kälte der gesellschaftlichen Monade, des gesellschaftlich isolierten Konkurrenten, ist als Indifferenz gegen das Schicksal der anderen die Voraussetzung dafür, dass alle zusahen und keiner sich regte.

Nun, meine Damen und Herren, bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ich möchte nicht die Liebe predigen, deshalb, weil ich es vergeblich halte, sie zu predigen, und auch, weil keiner das Recht hätte, sie zu predigen, weil jener Mangel an Liebe – ich sagte es schon – der Mangel aller Menschen ist ohne Ausnahme, so, wie sie heute existieren. Liebe predigen setzt in denen, an die man sich dabei wendet, bereits eine andere Charakterstruktur voraus. Denn die Menschen, die man lieben soll, sind ja selber so, dass sie nicht lieben können, und darum keineswegs so liebenswert.

Es war einer der großen Impulse des Christentums, dass es die alles durchdringende Kälte gefühlt hat und versucht hat, sie zu verändern. Aber dieser Versuch – und ich glaube, das muss gesagt sein, ist vergeblich geblieben, weil er nicht an die gesellschaftliche Ordnung rührte, welche die Kälte produziert und reproduziert.

Vielleicht ist die Wärme unter den Menschen, nach der alle sich sehnen, außer in kurzen Perioden und ganz kleinen Gruppen, vielleicht auch unter manchen „Wilden“, bis heute überhaupt noch nicht gewesen. Wenn irgendetwas helfen kann gegen diese Kälte als Bedingung des Unheils, dann ist es allein … der Versuch, im individuellen Bereich Möglichkeiten zu schaffen,die dem entgegen sind.

Man möchte glauben, je weniger in der Kindheit versagt wird, je besser Kinder behandelt werden, umso mehr Chance sei dazu. Aber auch hier ist vor Illusionen zu warnen, nicht nur deshalb, weil Kinder, die gar nicht die Grausamkeit und Härte des Lebens erfahren, dann,wenn sie aus dem Geschützten entlassen werden, erst recht der Barbarei ausgesetzt sind.

Und hier hört man Adorno im Originalton:

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Dec 14 2009

“Helen”…

Published by Lothar Evers under Film, Kulturtipp

… habe ich gestern im Kino gesehen.
Der Einbruch von Helens Depression in eine heile kanadische Kleinfamilie zeigt, wie schnell diese Ministruktur aus drei Personen: (Stief)vater, Mutter, Kind an ihre Grenzen stösst. Zeigt auch, dass es weiterer Menschen in enger Verbundenheit: ExpartnerIn, Assistentin, Psychoseerfahrene braucht, um halbwegs auf die Herausforderung “Lebenskrise” zu reagieren. Herausragend: die Frauenbeziehung zwischen Helen und ihrer Krisenlotsin Mathilda. Nicht auszudenken, man könnte dieses Menschennetz in dauerhaftere verlässliche Nähe transformieren und integrieren.
Zum Schluss: ein (mich) nicht überzeugendes (Happy?)end: nach Elektroschock und Teilverlust des Gedächtnisses: Heimkehr in die Kleinfamilie. Nichts ist wie vorher, oder: doch? Ausgetauscht: nur der Hund. Er heisst jetzt: “Macho”.
Der Trailer zu “Hellen” verteilt klare Rollen, so typisch wie falsch:

“Friendship will bring hope…”
“Family will bring strength…”
“Love will bring a new beginning…”

So ein Unsinn! Da fokusiert Autorin und Regisseurin Sandra Nettelbeck leider doch voll aufs Klischee statt auf komplexe Wahrheiten. Trotz der fragwürdiger Auflösung zum Ende: “Helen” bleibt ein sehenswerter Film mit brillanten SchauspielerInnen, insbesondere: Laureen Lee Smith als Mathilda.

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Dec 12 2009

Zur Party heute Abend: Leonard Cohen: “The Guests”

Zur Party heute Abend wünsche ich:
liebe Gäste, anregende Gespräche, gute Musik, bester Wein, und …

One by one, the guests arrive
The guests are coming through
The open-hearted many
The broken-hearted few

And no one knows where the night is going
And no one knows why the wine is flowing
Oh love I need you
I need you
I need you
I need you
Oh . . . I need you now

And those who dance, begin to dance
Those who weep begin
And “Welcome, welcome” cries a voice
“Let all my guests come in.”

And no one knows where the night is going …

And all go stumbling through that house
in lonely secrecy
Saying “Do reveal yourself”
or “Why has thou forsaken me?”

And no one knows where the night is going …

All at once the torches flare
The inner door flies open
One by one they enter there
In every style of passion

And no one knows where the night is going …

And here they take their sweet repast
While house and grounds dissolve
And one by one the guests are cast
Beyond the garden wall

And no one knows where the night is going …

Those who dance, begin to dance
Those who weep begin
Those who earnestly are lost
Are lost and lost again

And no one knows where the night is going …

One by the guests arrive
The guests are coming through
The broken-hearted many
The open-hearted few

And no one knows where the night is going …

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Dec 12 2009

Faithfull Pirates

Liebe C.
zum Geburtstag Dir:
Liebe , Gesundheit, Freunde, Glück, und Klarheit!

Den musikalischen Teil hat, ihr dafür ganz herzlichen Dank, die von mir hoch verehrte
Marianne Faithfull übernommen. Zunächst Ihre Interpretation des John Lennon Klassikers
“Working Class Hero”:

Lyrics

Dann natürlich: die Liebe!. One of my favorite love songs and poems: “Crazy Love”:

Lyrics:
Hated by all and everywhere he goes
Blazing contempt for human life and lies
Murder as art and what he knows he knows
from life and fear in other people’s eyes

Crazy love is all around me
Love is crazy love is kind
But I know somehow you’ll find me
Love is crazy love is blind

She walks the boulevard without a care
Knowing too much but having come so far
Pretending life is just a game you play for nothing
Loving no-one and no-where

Crazy love is all around me
Love goes crazy given time
But I know somehow you’ll find me
Love is crazy love is blind

She looks as if expecting a surprise
Maybe an encounter that will change her life
Not knowing hot from cold or good from bad
If life is just a joke or if it makes her sad

Crazy love is all around me
Love is crazy love is kind
But I know somehow you’ll find me
Love is crazy love is blind

Crazy love is all around me
Love goes crazy given time
But I know somehow you’ll find me
Love is crazy love is blind

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Dec 06 2009

Kirchner Beckett Scheitern

Ignaz Kirchner gehört zu meinen Lieblingsschauspielern. Genauer: er ist mein liebster Schauspieler. Seine Dramtisierung von Wilhelm Reichs “Rede an den Kleinen Mann” hat mich verändert. Als Pozzo in Becketts “Warten auf Godot” steht er zur Zeit auf der Bühne des Wiener Burgtheaters. Gestern gibt Kirchner ein Interview in “Die Presse”. Darin das folgende Zitat von Samuel Beckett

„Alles seit je. Nie was anderes. Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.“
“All of old. Nothing else ever. Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.”
(„Worstward Ho“, 1983,)

Kichner fährt fort: “Das ist nicht nur ein Lieblingssatz von mir, sondern auch von George Tabori.” Taboris Inszenierung von Becketts Godot habe ich am Berliner Ensemble gesehen. Sehr heiter!.
Sie wird noch gespielt dort. Ignaz Kirchners Beckett Zitat passt zum Titel dieses Blogs aus Rudyard Kiplings “if”:

If you can meet with Triumph and Disaster
And treat those two impostors just the same.
If you can bear to hear the truth you’ve spoken
Twisted by knaves to make a trap for fools,
Or watch the things you gave your life to, broken,
And stoop and build’em up with worn-out tools;

If you can make one heap of all your winnings
And risk it on one turn of pitch-and-toss,
And lose, and start again at your beginnings,
And never breathe a word about your loss

Hat jemand Lust mit nach Wien zu fahren?

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