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Die seit gestern laufende Kampagne von Rainer Schaller, hat mit PR nur noch wenig zu tun. Der Besitzer von McFit und Verantwortliche der Loveparade  hat die Schwelle zur Propaganda überschritten. Man sollte meinen, Schaller sei gar nicht dagewesen in Duisburg auf dem Loveparade Gelände am 24. Juni. Hätte auch nicht tausend Security Mitarbeiter im Einsatz gehabt. Alles hatte und hätte ganz prima geklappt. Nur: auf einmal hätten überall -er wisse auch nicht warum- Polizei herum gestanden und Ketten gebildet Dann und deshalb habe es Tote gegeben.
Wirklich: dummdreist!

Auf jeden  Fall hat Rainer Schaller in die Neue PR – Schlacht eine Menge Geld investiert. Da wo die “Überwachungskameras” nichts suggerieren, weicht er in den Zeichentrick aus. Auch die Pläne des Loveparade Geländes hat er neu zeichnen lassen. Leider etwas abseits der Realität, wie der folgende Beitrag auf DocuNews – Loveparade zeigt:

Pläne der Loveparade Duisburg: Jede Menge Platz?

Alles wie gehabt zwischen Rainer Schallers Lopavent GmbH und dem SPIEGEL:
die Vorabmeldung kommt am Samstag, BILD wird nachziehen. Wieder macht das Nachrichtenmagazin aus Hamburg seine Seiten und PR – Kraft für Rainer Schaller und dessen Lopavent auf.

Zum dritten Mal:
31. Juli2010 :

Es gab einen Crowd Manager, der möchte ungenannt bleiben, belastet aber die Polizei…
7. August 2010:
Der Crowd Manager heisst Karsten Walter. Er verweigert zwar die Aussage, möchte uns aber trotzdem im SPIEGEL Gespräch erklären, wie es war auf der Rampe. Dazu haben wir auch Bilder der Überwachungskameras.
28. August 2010:
Hinter Karsten Walter und unseren bisherigen Videoausschnitten steht Rainer Schaller. Der spricht jetzt selbst und stellt sein (ganzes?) Material ins Netz.

Flucht nach vorn also. Nachdem man sich bisher mit winzigsten Ausschnitten zufrieden gab.
Die Vorabmeldung des SPIEGEL lautet:

Love-Parade-Katastrophe
Veranstalter stellt Überwachungsvideos ins Netz

Jetzt geht Rainer Schaller in die Offensive: Der Love-Parade-Veranstalter erhebt im SPIEGEL schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Sie hätte Sperrketten gebildet, die nach Meinung Schallers zur Duisburger Katastrophe führten. Dies sollen Überwachungsvideos beweisen, die nun ins Internet gestellt werden.

Hamburg – 21 Menschen starben vor vier Wochen bei der Duisburger Love Parade, mehr als 500 wurden verletzt. Noch immer ist unklar, was zu der Katastrophe führte – nun greift Veranstalter Rainer Schaller im SPIEGEL die Polizei massiv an. Der Chef der Fitnessstudiokette McFit wirft ihr vor, sie sei mitverantwortlich für das Duisburger Desaster. Schallers Vorwurf: Die Polizei hätte – als sich vor den Zugängen im westlichen und im östlichen Bereich des Veranstaltungsgeländes ab 15.50 Uhr die Massen stauten – aus unerklärlichen Gründen drei Sperrketten gebildet, zwei in den Tunnels und eine auf dem unteren Teil der Zugangsrampe.
Diese Ketten, sagt Schaller, seien “vermutlich die Ursache der Katastrophe” gewesen: “Für uns stellt sich die Frage, warum die Polizei dies tat.” Ohne die Polizeikette auf der Rampe würden die “Menschen heute noch leben”, behauptet Schaller.
Um diese aus Sicht des Veranstalters taktischen Fehlleistungen der Polizei dokumentieren zu können, lässt er das gesamte Videomaterial seiner sieben Überwachungskameras mit einer Laufzeit von mehr als 22 Stunden ins Internet stellen. “Jeder soll sich selbst ein Bild von den Abläufen machen können.”
Schaller wird nicht vor dem Innenausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags, der sich am 2. September zum wiederholten Male mit der Duisburger Katastrophe beschäftigt, Rede und Antwort stehen, er werde “Vertreter meiner Firma” schicken.

Da dürfen wir auf SPIEGEL print und SPIEGEL TV morgen abend gespannt sein. Halten wir vorab fest:

  • Es waren nicht 7 sondern 17 Kameras. Auch nicht:  Kameras sondern (zum Teil) Kamera Teams in Cooperation mit Security.
  • Die Kameras waren nicht auf den Positionen, die in der SPIEGEL und BILD Grafik bis heute verzeichnet sind:
  • 1 – 3 auf Walters Container.
  • Lopavent/Schaller hatten von vorne herein eine Kopie der Videos, die sie bei der Beschlagnahmung nicht abgegeben haben.
  • Höchstwahrscheinlich ist das bisher bei SPIEGEL und BILD laufende Material eine von Lopavent zusammengestellte Auswahl.
  • SPIEGEL und Bild haben uns die Quelle verschwiegen, in einem Beitrag auf Spiegel TV, der bis heute nicht korrigiert wurde sogar von Polizeivideos gesprochen.

Nach wie vor beantwortet Lopavent keine Presseanfrage:

vielen Dank für Ihre heutige Anfrage.
Wir verstehen das große Interesse der Öffentlichkeit an Aufklärung,wie es zu dem tragischen Unglück auf der diesjährigen Loveparade in Duisburg kommen konnte.
Auch wir sind an Aufklärung interessiert und leisten unseren Beitrag dazu.
Haben Sie bitte Verständnis, dass wir angesichts laufender Ermittlungen keine Statements zu Einzelfragen bzw. Dokumente an Medien herausgeben.

„sondern geben unser Material nur an ausgewählte Medien im Rahmen unserer eigenen PR Aktivitäten…“
möchte man ergänzen.
Bin gespannt, was wir zu sehen bekommen. Sicher ist:
wir befinden uns nach wie vor in einer PR Kampagne von Lopavent.
Da mit schwimmen ist einfach:
Wir recherchieren lieber:

Überwachungskameras auf der Loveparade Duisburg

Lautsprecheranlage auf der Loveparade Duisburg

Gerade haben wir auf unserer Analyse- und Nachrichtenseite DocuNews.org eine Recherche zu der auf dem Gelände der Loveparade fehlenden
abgeschlossen. Die Zusammenfassung folgt hier auf “Triumph and Disaster” bei DocuNews.org: die ausführliche Analyse…

27. August 2010:
Loveparade Duisburg:

Wo war die Lautsprecheranlage?

Die in der Brandschutz- und Evakuierungskonzeption für die Duisburger Loveparade vorgesehene Lautsprecheranlage zur Besuchersteuerung scheint weder geplant noch gebaut, in jedem Fall aber nicht genutzt worden zu sein. Dadurch fehlte auf der Loveparade am 24 Juni 2010 ein entscheidende Voraussetzung um eine Massenpanik unter den zusammengepferchten Besuchern zu verhindern. Dies ergibt sich aus einer gerade veröffentlichte Analyse von Lothar Evers auf dem Rechercheportal docunews.org.

Das Bauamt der Stadt Duisburg verlangte eine „Darstellung der Elektro-akustischen Alarmierungsanlage (ELA-Anlage)“ bereits in einem Schreiben vom 14. Juni an die Lopavent GmbH als Veranstalter der Loveparade. Auch das Brandschutzkonzept für die Loveparade von Dr. Rainer Jaspers und Öko Tec Fire & Risk beschreibt die Notwendigkeit einer solchen ELA-Anlage:

Auf dem gesamten Veranstaltungsgelände ist eine Lautsprecheranlage vorhanden, die an die mobile Ersatzstromversorgung angeschlossen ist.“ Diese wollte man zur „Information der Besucher über das Brand- oder sonstige Ereignis und über die zu ergreifenden Massnahmen“ nutzen, so „dass die Entfluchtung über das Veranstaltungsgelände aufgrund der Sicherungsmaßnahmen durch Sicherheitspersonal sowie die Kameraüberwachung des gesamten Geländes und den Möglichkeiten zur Alarmierung über die Lautsprecheranlage, nachhaltig gesichert werden kann.“

Lothar Evers fasst seine Analyse wie folgt zusammen:
„Der Veranstalter der Loveparade konnte das Gelände und den Eingang der Loveparade mit siebzehn Kameras jederzeit und bis in den letzten Winkel einsehen. Der Stau auf der Rampe und in den Tunneln entwickelte sich über mindestens zwei Stunden bevor es zur Katastrophe kam. Dieser Stau und die sich daraus ergebende Panik hätte sich mit grösster Wahrscheinlichkeit auflösen lassen, hätte man die Besucher mit klar verständlichen Lautsprecheransagen auf freie Regionen des Veranstaltungsgeländes verteilt. Selbst in den kritischen späten Phasen einer extremen Menschenverdichtung wäre eine Warnung z.B. vor der Treppe wahrscheinlich lebensrettend gewesen.

Wir haben alle öffentlichen und einige zusätzlich Planungsunterlagen sowie die Veranstaltungs und Sicherheitskonzepte der Loveparade ausführlich studiert. Den Plänen kann man sonst jedes Detail, z.B. die Ausstrahlung eines einzelnen Scheinwerfers, entnehmen. Weder eine ELA-Zentrale noch einzelne Lautsprecher sind dort eingetragen. Auch im Sicherheitskonzept des Veranstalters vom wird eine Lautsprecheranlage und Durchsagen an die Besucher nicht erwähnt. Dieses Sicherheitskonzept stammt vom 28.Juni 2010 und ist einen Tag vor der Loveparade, nämlich am 23 Juli, als Teil der Bewilligung durch das Duisburger Bauamtes gezeichnet und gestempelt worden.

Dem Brandschutzexperten Rainer Jaspers scheint ein anderes, möglicherweise erweitertes, in jedem Fall aber aktuelleres Sicherheitskonzept vor. Er gibt als Datum dieses „Veranstaltungskonzeptes Sicherheit“ den 12. Juli 2010 an. Leider hat sich Dr. Jaspers geweigert uns dieses Sicherheitskonzept zur Verfügung zu stellen. So konnten wir es nicht mit dem älteren Konzept der Bewilligung vergleichen.
Es ist jedoch schwer vorstellbar, wenn auch nicht völlig auszuschließen, dass ein renommierter Experte wie Dr. Jaspers Elemente eines Sicherheitskonzeptes referiert, die in der ihm vorliegenden Fassung gar nicht erwähnt werden.

Wenn Lopavent als Auftraggeber von Dr Jaspers und Öko Tec Fire und Risk extra für diesen Zweck ein neues um eine ELA Anlage erweitertes Konzept gefertigt hat, diese aber weder aktualisierend beim Bauamt einricht noch die Anlage baut, so ist das in jedem Fall eine ungeheuerliche Täuschung.

Fazit:

Sollte das Bauamt tatsächlich eine von ihm selbst geforderte und für das Brandschutz- und Evakuierungskonzept konstitutive Lautsprecheranlage, bei der Bauabnahme vergessen und übersehen haben, wäre eine Suspendierung aller daran beteiligten oder davon wissenden MitarbeiterInnen überfällig.

Sollte es, trotz aller dagegen sprechenden Fakten, auf dem Gelände der Loveparade Duisburg eine ELA Anlage gegeben haben, wäre deren nicht Nutzung durch die Veranstalter ein Verbrechen.

Die ausführliche Analyse:
http://docunews.org/loveparade/analyse/wo-waren-die-lautsprecher/

Alle Zitate aus:
Anlagen zum Zwischenbericht der Stadt Duisburg zur Loveparade

… so titelte der SPIEGEL 2008 eine Beitrag über “Panikprofessor” Michael Schreckenberg. Merkwürdig ruhig ist es um den cleveren Professor der Universität Duisburg geworden. In den ersten Tagen nach der Loveparade Katastrophe erklärte Professor Michael Schreckenberg gerne, dass all das  gar nicht hätte passieren können. Theoretisch!

Professor Michael Schreckenberg Universität Duisburg Gutachter zum Veranstaltungsgelände der Loveparade 2010 in Duisburg

Professor Michael Schreckenberg

Damals hatte Professor  Schreckenberg sogar noch seine Handynummer auf seiner Uni-Webseite. Seit bekannt wurde, dass Schreckenberg für die  Stadt Duisburg einen mit 20.000 Euro dotierten “Prüfauftrag für die bestehenden Planungen der Zu- und Abwege, sowie des Veranstaltungsgeländes der Loveparade 2010 in Duisburg” abwickelte, redet er deutlich seltener. Eigentlich hat Professor Schreckenberg  im SPIEGEL auch schon alles gesagt, vor 2 Jahren:

Die Menschen sind nicht in wilde Raserei geraten, sie haben keine Mitmenschen mutwillig überrannt. Panik gibt es eigentlich gar nicht. Da ist eine hochverdichtete Masse in Bewegung geraten, (eine) physikalische Zwangsläufigkeit. Es reicht schon eine gefühlte Gefahr, der Organismus ist nur noch darauf ausgerichtet, sein Leben zu erhalten. Niemand flieht zum Beispiel in einen dunklen Notausgang, die Masse der Flüchtenden staut sich immer an der Tür, wo die meisten hin rennen. Wenn 50 Menschen von hinten drücken, so lastet auf dem ersten das Gewicht von einer Tonne.

Man merkt es: Michael Schreckenberg ist nicht irgendein Professor. Sein Fachgebiet ist die Physik. Deshalb kann Professor Michael Schreckenberg eine Tonne auch “runter rechnen”:
Auf dem Weg zum Ausgang ist es nur eine Frage der Zeit bis der erste stürzt. Liegen aber erst einmal fünf Menschen übereinander, bedeutet das für den unten liegenden den sicheren Tod: “300 Kilo lasten auf ihm. Atmen ausgeschlossen!”

Vor zwei Jahren im SPIEGEL weiss der Professor auch (noch), wie man Stolpern verhindert und mit dem Leben davon kommt:

Fluchtwege müssten so gebaut sein, dass die Menschen hindurchströmen wie ein Schwarm Heringe. Jeder Stillstand kann tödlich sein. Denn Menschen, die in einer Masse fliehen, die plötzlich ins Stocken gerät, laufen nach ziemlich exakt 15 Sekunden in eine andere Richtung los, hat Schreckenberg beobachtet. Eine Masse in ihrem kollektiven Reflex zu steuern, so etwas gelinge nur in den ersten Momenten. “Strikte Führung” über Lautsprecher sei dafür nötig, so Schreckenberg. Die Leute brauchten das Gefühl, die Organisatoren hätten die Lage im Griff.

Alles klar Herr Professor Schreckenberg!
Theoretisch!
Vor zwei Jahren!

Alle Zitate aus: DER SPIEGEL 41/2008

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